Die Zukunft der dualen Bildung in Winterthur

4. Podiumsdiskussion zur Avenir-Suisse-Publikation «Die Zukunft der Lehre»

5. Dezember 2011 | Pageviews: 1456 |

Rainer Huber, Direktor von Forum Bildung

Das Forum Bildung und Avenir Suisse haben am 23. November 2011 ihre Kräfte im Namen der Zukunft der dualen Bildung in Winterthur gebündelt. Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Rainer Huber, den Direktor von Forum Bildung, folgte eine ausführliche Präsentation von Patrik Schellenbauer, Projektleiter bei Avenir Suisse und Autor der Studie «Die Zukunft der Lehre». Er zeigte auf, dass das System der dualen Berufsbildung einen wichtigen Teil des Geschäftsmodells Schweiz darstellt. Die Zeit der Lehrstellenknappheit sei vorbei und inzwischen übersteige das Angebot die Nachfrage deutlich. Heute bestehe das Problem vielmehr im Mismatch zwischen den Interessen der Arbeitgeber und der Jugendlichen. Gerade in den Zeiten der Globalisierung brauche die duale Bildung auch Reformen des Lehrplans, ausserdem sollte sich bei der Lehrlingsausbildung der Investitionsgedanke gegenüber der Produktionsorientierung durchsetzen.

Nationalrätin Jacqueline Fehr und Rudolf Walser in der Diskussion

Während dem von Cornelia Kazis moderierten Panel diskutierten die Podiumsteilnehmer über alle mögliche Facetten der Berufsbildung und ihre Zukunft. Die Bildungspolitikerin Jacqueline Fehr unterstrich die Rolle der KMU in der Lehrlingsausbildung. Ihrer Meinung nach sollte man, um zukunftsträchtiger zu sein, mit einigen Tabus brechen, etwa bei den typischen Frauen- bzw. Männerberufen und besonders in den neuen Branchen, wo viel Potential für neue, interessante Lehrberufe besteht.

Rudolf Walser, Senior-Consultant bei Avenir Suisse, freute sich, dass an der letzten Lehrstellenkonferenz die Bedeutung der Mobilität auch für die Lehrlinge erkannt wurde. Die Lehre soll nun «internationaler» werden, zum Beispiel durch die Einführung von Fremdsprachen in allen Lehrplänen. Auf ähnlicher Wellenlänge lag Universitätsprofessor Philipp Gonon mit seiner Forderung, dass es in einer globalisierten Schweiz mehr und flexiblere Lehrberufe bräuchte: Das Schweizerische duale System käme ohnehin durch den Kopenhagen-Prozess (eine Art europaweite Kompetenzenmessung à la Bologna-Reform, aber für die Berufsbildung) unter Druck, die Öffnung sei daher notwendig.

Christoph Schneider, Ausbildungsleiter der Firma Kistler Instrumente AG, erinnerte daran, dass schon jetzt ein «Talentekampf» um die guten Lehrlinge stattfindet.Eine Firma investiere in sie und höre nicht gerne, wenn sich Lehrlinge schon während der Lehre Gedanken darüber machen, in eine andere Branche zu wechseln. Gemäss Erich Stutz, Rektor der Berufsbildungsschule Winterthur, sollten sich auch die Fachhochschulen überlegen, warum sie für Maturanden immer attraktiver werden und vielleicht auch wieder zu ihrem Ursprung als Fortsetzung der Berufsbildung zurückkehren.

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