Parklandschaft Schweiz

Die neue Pärkepolitik des Bundes trägt trotz geringer Finanzmittel Früchte

25. Januar 2012 | Daniel Müller-Jentsch

Je mehr das Mittelland zur durchgehenden Agglomeration wird, umso wichtiger wird die Aufwertung der verbleibenden Landschaft. In Europa gab es in den letzten 20 Jahren eine Gründungswelle von Grossschutzgebieten, die weitgehend an der Schweiz vorbeiging. Obwohl man 1914 den ersten Nationalpark Mitteleuropas in Graubünden errichtete, kam in den knapp 100 Jahren seither kein zweiter hinzu. Im Nachbarland Österreich hingegen wurden seit den 1980er Jahren sechs Pärke dieser höchsten Schutzkategorie gegründet. In Deutschland stieg die Zahl der Nationalpärke, von vier im Jahr 1990 auf nunmehr vierzehn. Berücksichtigt man auch andere Parkkategorien, wie etwa Naturpärke oder Biosphärenreservate, so sind inzwischen 25% der deutschen Landesfläche geschützt.

Dank der neuen Pärkepolitik des Bundes macht die Schweiz aber zurzeit verlorenen Boden gut. Der zentrale Impuls hierfür war die Revision des eidgenössischen Natur- und Heimatschutzgesetzes von 2007 im Nachgang zum Neuen Finanzausgleich (NFA). Die Initiative zur Gründung und zum Betrieb von «Pärken von nationaler Bedeutung» muss aus den Regionen kommen und politisch breit abgestützt sein. Der Bund bietet lediglich Anreize in Form von finanzieller Unterstützung und einem nationalen Label – wenn die entsprechenden Anforderungen erfüllt sind (z.B. hoher Landschaftswert, gewisse Mindestgrösse) und Leistungen beispielsweise zum Erhalt von Natur- und Kulturlandschaft erbracht werden. Die drei im Bundesrecht verankerten Parkkategorien (Nationalpark, regionaler Naturpark, Naturerlebnispark) bieten Flexibilität für massgeschneiderte Lösungen und ermöglichen eine Balance zwischen Landschaftsschutz und wirtschaftlicher Entwicklung.

Anfang 2012 waren neben dem Schweizer Nationalpark bereits 11 Pärke von nationaler Bedeutung anerkannt und 6 weitere in Errichtung – die meisten davon im Berggebiet, wo die Landschaft als touristisches Kapital gesehen wird. Die Gesamtfläche beträgt rund 6‘000 km² oder knapp 15% des Landes. Ab 2012 hat der Bund hierfür Finanzmittel von jährlich 10 Mio. Fr. vorgesehen. Angesichts der enormen Flächen, um die es dabei geht, und angesichts der Tatsache, dass der Betrieb eines Parks effektive Trägerstrukturen voraussetzt, ist dies ein bescheidener Betrag: Für die Landschaftspflege auf einem Achtel des Schweizer Territoriums werden jährlich so viel Bundesmittel verwendet wie für den Bau von einem Kilometer Autobahn! Das Jahresbudget des Bundes für eineinhalb Dutzend Pärke von nationaler Bedeutung entspricht etwa dem Etat des deutschen Nationalparks Berchtesgaden.

Trotz dieser Einschränkungen kann die neue Pärkepolitik des Bundes als Erfolg betrachtet werden. Sie wirkt als Katalysator für regionale Initiativen und bietet ein neues Instrumentarium zur Verknüpfung von Landschaftsschutz und Regionalentwicklung – zur Förderung touristischer Dienstleistungen und regionaler Wertschöpfungsketten in den meist strukturschwachen Berggebieten. Vor allem aber sorgt sie durch die Institutionalisierung des Parkmanagements und durch ein wirkungsvolles Label dafür, dass das öffentliche Gut Landschaft effektiver gepflegt, entwickelt und bewirtschaftet wird. Die Herausforderung der nächsten Jahre besteht darin, die geplanten Parkprojekte auch tatsächlich umzusetzen und das Parkmanagement zu professionalisieren. Wenn dies gelingen soll, erscheint eine Aufstockung der Finanzmittel dringend geboten.

3 Kommentare auf "Parklandschaft Schweiz"

  1. Empirische Studien, welche die lokale Bevölkerung in den “Landschaften” einbeziehen, zeigen, dass der “Park” oder die “Verparkung” ihrer Lebensräume nicht geliebt wird. Man zieht die Landschaft als “Heimatanker” und Lebensraum vor, der seine Vitalität behält (Autonomie, Arbeitsplätze etc.). Die Parkidee wird als “Konstrukt” von oben und von aussen abgelehnt. Das Land Schweiz ist nicht bereit, sich als Park der Metropole Schweiz anzubieten – nicht einmal sogenannte Agglomerationen, wie sich im Raum Basel zeigt.

    • Daniel Schaffner sagt:

      Die gemachten Aussagen von Meier-Dallach können so nicht stehen gelassen werden. Regionale Naturpärke, um die es sich in der Schweiz vor allem handelt, haben neben der Erhaltung intakter Landschaften nämlich auch die Förderung der Regionalwirtschaft als wichtiges Ziel.
      In der Schweiz müssen zudem alle Parkprojekte demokratisch legitimiert werden. Konkret heisst dies erstens, dass in jeder beteiligten Gemeinde eine Abstimmung über die Mitgliedschaft bei einem Park stattfindet und zweitens, dass solche Abstimmungen nur dann positiv enden, wenn die Bevölkerung von Anfang an am Projekt partizipiert. Gerade die Tatsache, dass einzelne Parkprojekte die Abstimmungshürde nicht schaffen zeigt, dass die Projekte nicht “von oben” bestimmt werden.

      • Meier-Dallach sagt:

        Es ist richtig, dass die Entscheidungswege in der Schweiz glücklicherweise noch an die Beteiligung der Gemeinden gebunden sind. – Die Skepsis der Bevölkerung stammt aber auch aus der Tatsache, dass diese Orte meist selbstbewusste lokale Gesellschaften sind. Die Skepsis richtet sich daher meist gegen “still gehaltene” Prozesse, die mit der Parkbildung einher gehen: z.B. Fusion der Gemeinden, kaum sichtbare ökonomische Effekte, die Kosten für das Parkmanagement, der Beizug und die Anstellung zusätzlicher “Experten”, die Mutation vom Bewohner zum “Steinbock” im Park (Aussage einer Münstertalerin), das Gefühl, dass der Lebensraum zu einem gepflegten Paradies für stadt- und metropolen-müde Menschen wird. Deshalb ist schon das Wort “Park” in der dort ansässigen Bevölkerung nicht beliebt. Diese Einsichten gewinnt man aus jenen Forschungen im Berggebiet und im ländlichen Raum, die von den lokalen Gesellschaften ausgehen.

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