Der strapazierte Mittelstand

Zwischen Ambition, Anspruch und Ernüchterung

Der strapazierte Mittelstand
Avenir Suisse und Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2012, 292 Seiten, ISBN 978-3-03823-807-2, Fr. 38

 

In den letzten 20 Jahren hat der Schweizer Mittelstand relativ zur Ober- und Unterschicht an Boden verloren. Die mittleren Löhne sind zwar real gestiegen, aber weniger stark als hohe und tiefe Gehälter. Dem Mittelstand fällt es zunehmend schwer, sich nach unten abzugrenzen sowie aufzusteigen. Dieser Positionsverlust ist eine zentrale Ursache für die Unzufriedenheit im Mittelstand.

Ein Grund für die Schwächung des Mittelstands ist, dass auf dem Arbeitsmarkt weniger mittlere, dafür aber mehr höhere und niedrige Qualifikationen nachgefragt werden. Ein Lehrabschluss sichert die Position in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr automatisch. Entsprechend hat sich das Lohngefüge in den letzten 20 Jahren verschoben.

Ein weiterer Grund für die Verunsicherung ergibt sich aus der Staatstätigkeit. Der Staat pflügt über unkoordinierte Steuern, Tarife und Transfers die Einkommensverteilung um, wobei sich die Umverteilung für den Mittelstand oft als Nullsummenspiel erweist.

Interviews unserer Team-Mitglieder in den Medien:

Schlagwörter: Einkommensverteilung, Mittelstand
Dr. Daniel Müller-Jentsch ist Senior Fellow bei Avenir Suisse. Zuvor arbeitete er als Ökonom bei der Weltbank in Brüssel. Das Studium der Volkswirtschaftslehre absolvierte er an der London School of Economics und an der Yale University. Bei Avenir Suisse beschäftigt er sich schwergewichtig mit Fragen der räumlichen Entwicklung, des Standortwettbewerbs, der Zuwanderung und des Stiftungswesens.
Dr. Patrik Schellenbauer ist stellvertretender Direktor von Avenir Suisse und betreut schwergewichtig die Themen Bildung, Arbeitsmarkt, Verteilung sowie Immobilien. Er ist ausserdem Lehrbeauftragter der ETH Zürich für Immobilien- und Stadtökonomie. Frühere berufliche Stationen waren die Zürcher Kantonalbank, wo er den Bereich Immobilienrisiken leitete sowie eine Stelle als Oberassistent an der ETH Zürich.

2 Kommentare

  • Büchler Anton

    In dieser Debatte wird ein Aspekt vergessen:
    150‘000 steuerbares Einkommen verbergen ganz unterschiedliche Realitäten:
    – ein Lohnempfänger ohne Naturalleistungen, am Arbeitsplatz in einer teuren Mietwohnung wohnend verdient letztlich merklich weniger als
    – ein in einer eigenen GmbH/AG -Angestellter, der in einem teuren Eigenheim weit weg vom Arbeitsplatz wohnt, zudem noch Einnahmen aus z.T. steuerfreien Kapitaleinkünften , dazu noch ein paar SGS oder Nestlé Aktien hat, die ihm schöne steuerfreie Kursgewinne verschafften….

    Das Problem:
    Die unzähligen legalen Steuer-Optimierungsmöglichkeiten, von denen aber nur ein Teil der Steuerzahler profitiert.

    Das wahre Problem:
    Immer mehr Einkommen sind steuerbegünstigt – und der Rest des Mittelstandes kann nur von Steuerermässigungen träumen.
    Und dann die ‚Hellenisierung‘ in unserer Gesellschaft, schon im Kleinen sichtbar: da sammelt schon der Arzt die Quittungen nach dem privaten Nachtessen….

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