Energiewende in der Schweiz

6. Gesprächskreis zur Wirtschaftspolitik an der HTW Chur

30. Mai 2013 | Pageviews: 2061 | Nadja Maurer

Am 24. Mai haben die HTW Chur und Avenir Suisse zum 6. Gesprächskreis zur Wirtschaftspolitik in der City West Event Hall in Chur eingeladen. Diskussionsthema waren die Herausforderungen der Energiewende für die Wirtschaft und die Wirtschaftspolitik.

HTW Gespraechskreis EnergiewendeDer Bundesrat will in der Schweiz mit der Energiestrategie 2050 weiterhin eine hohe Stromversorgungssicherheit garantieren, jedoch ohne Kernenergie, informiert Matthias Gysler, Chefökonom und Leiter Energiepolitik am Bundesamt für Energie. Eine lückenlose Versorgung, die technische Sicherheit, tragbare Preise sowie Konkurrenzfähigkeit seien wichtige Punkte. Weiter strebe man eine Emissionsreduzierung an. «Bis 2100 gilt es, einen Temperaturanstieg von zwei Grad zu verhindern», so Gysler. Die Technologien wären da, aber der politische Wille fehle.

Ausstieg aus Kernkraftenergie

Massnahmen, wie härtere Vorschriften im Gebäudebau und -umbau oder die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene, seien vorgesehen. Ausserdem wolle man weg von der Kernkraftenergie, hin zu Wasserkraft, Wind oder Biomasse. «Die erneuerbaren Energien müssen wir ausbauen und den Restbedarf mit fossiler Stromproduktion oder mit Importen decken», sagt Gysler. Er entferne sich allerdings vom unwillkürlichen Bau von Wasserkraftwerken an jedem Bächlein. Der Bundesrat werde im Herbst über die Energiestrategie entscheiden.

Jean-Philippe Kohl, Leiter der Wirtschaftspolitik bei Swissmen, erläutert, welche Anforderungen die Industriebranche hat. Die lückenlose Versorgungssicherheit sei ein zentraler Punkt. «Bei einem Stromunterbruch von einer Stunde wären fünf von sechs Betrieben stark betroffen. Bei 20 Prozent der Unternehmen würde dies ein vollständiger Produktionsausfall mit sich bringen», so Kohl. Thematisiert wird auch die Orientierung ans Ausland: «Wir wollen keinen politischen Alleingang der Schweiz. Wünschenswert wäre gar ein bilaterales Stromabkommen.» Zudem sei ein weiterer Ausbau der Subventionierung erneuerbarer Energien der falsche Weg. «Aus der Energiepolitik soll kein zweiter Landwirtschaftssektor werden.»

Kurt Frei, Geschäftsführer von Flumroc, stellt gar einen Zusammenhang von der Zweitwohnungsinitiative zur Energiewende her. «Die Zweitwohnungsinitiative ist ein Steilpass für die Baubranche», so Frei. Für eine Senkung des Energieverbrauchs müssen viele Gebäude langfristig modernisiert werden. Dies schaffe Arbeitsplätze, die man durch die Annahme der Zweitwohnungsinitiative verloren hätte. Man müsse die Chance packen.

Mehr zum Thema erfahren Sie aus der Avenir-Suisse-Publikation «Keine Energiewende im Alleingang»

Dieser Artikel erschien im «Bündner Tagblatt» vom 27. Mai 2013.
Mit freundlicher Genehmigung des Bündner Tagblatts.

Themenbereiche:


Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie einen Kommentar!

Mit Absenden Ihres Kommentars akzeptieren Sie unsere Netiquette