Patient Schweiz

Das Poster im neuen «avenir aktuell» zeigt, woran das Schweizer Gesundheitswesen krankt

avenir aktuell 02/13 mit Poster zum Gesundheitssystem der Schweiz

Das Schweizer Gesundheitswesen ist sehr gut – aber auch sehr teuer. Es gibt Länder mit ähnlicher oder sogar höherer Lebenserwartung, die die gleiche Qualität für einen kleineren Preis bieten. Wir werden immer älter – doch die demografische Entwicklung ist nicht der einzige Kostentreiber. Regionale Interessen und mangelnde Transparenz, besonders bei der kantonalen Spitalplanung, behindern eine effiziente Versorgung über die Kantonsgrenzen hinweg.

Viele kleine Spitäler

Einzig die USA und Norwegen geben für die Gesundheit mehr aus als die Schweiz. Da stellt sich die Frage: Lohnen sich diese Ausgaben? Die Schweiz leistet sich nicht nur eine qualitativ hochstehende, sondern auch eine teure Infrastruktur, zudem überdurchschnittlich viele Eingriffe (zum Beispiel Kaiserschnitte). Dafür benötigt das Schweizer Gesundheitssystem viel Personal. Obwohl die Schweiz etwa gleich viele Ärzte ausbildet wie ein durchschnittliches OECD-Land, muss sie zahlreiche Fachkräfte aus dem Ausland anziehen, um die umfassende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Internationale Vergleiche zeigen auch, dass sich Mehrausgaben ab einem gewissen Niveau kaum noch lohnen.

Ein entscheidender Kostenfaktor ist die Spitallandschaft. In der Schweiz bieten viele kleine Spitäler eine teure Infrastruktur und umfassende Gesundheitsleistungen an – nicht immer zum Wohl der Patienten. Viele Spitäler führen eigentliche Routineeingriffe selten bis nie durch und sind kaum spezialisiert, was die Überlebenschancen stark variieren lässt. In zahlreichen internationalen Studien wurde ein positiver Zusammenhang zwischen den Fallzahlen und der Qualität der Behandlung nachgewiesen. Besser wäre eine grundlegende Restrukturierung der Spitallandschaft und mehr Wettbewerb und Zusammenarbeit über Kantonsgrenzen hinweg.

Unelastische Nachfrage, wachsendes Angebot

Gesundheit ist ein Luxusgut: Je mehr wir verdienen, desto mehr geben wir dafür aus. Umgekehrt schafft sich das Angebot seine Nachfrage:  Ärzte mit freien Kapazitäten können ihren Wissensvorsprung gegenüber ihren Patienten nutzen, um sie zu weiteren, unnötigen Arztkonsultationen zu bewegen. Anders als etwa in der Industrie führt technologischer Fortschritt im Gesundheitswesen selten zu tieferen, sondern zu höheren «Herstellungskosten». Obwohl Schweizer im internationalen Vergleich mit dem Selbstbehalt bereits überproportional viel aus der eigenen Tasche bezahlen, sinkt die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen auch bei steigenden Preisen nicht.

Avenir Suisse hat im Buch «Ideen für die Schweiz» Massnahmen skizziert, um den Kostenanstieg zu bremsen. In der mittleren Frist braucht es eine Straffung des Leistungskatalogs in der Grundversicherung, etwa mittels systematischer Kosten-Nutzen-Prüfungen. Die Abschaffung der kantonalen Spitalplanung und des Kontrahierungszwangs wäre ein Mittel gegen den verzerrenden politischen Einfluss. Längerfristige Massnahmen adressieren vor allem die wachsende Umverteilung zwischen Jung und Alt und bedingen eine Neudefinition des Versicherungsprinzips. Dazu gehört eine höhere, nach Alter differenzierte Kostenbeteiligung. Zudem könnte die Krankenversicherung durch ein System mit Kapitalaufbau ergänzt werden – den Medical Savings Account.

Das untenstehende «Prezi» führt Sie Schritt für Schritt durch das Plakat (siehe Links- und Rechts-Pfeile). Mit der integrierten Zoomfunktion können Sie aber auch Details betrachten. (Achtung: Prezi funktioniert nicht mit Internet Explorer):

Die Informationsbroschüre «avenir aktuell» und das Plakat «Patient Schweiz» lassen sich hier herunterladen oder, auch in grösseren Mengen, kostenlos bei Avenir Suisse bestellen.

Schlagwörter: Gesundheitskosten, Medical Savings Account, Spitäler
Simone Hofer war von 2013 bis 2016 bei Avenir Suisse als externe Projektpartnerin für die Broschüre «avenir spezial» zuständig und unterstützte die Online-Redaktion. Sie studierte an der Universität Bern Ökonomie und Politologie und absolvierte eine Weiterbildung in Fachjournalismus. Nach einem Auslandjahr in Irland startete sie ihre berufliche Karriere bei der UBS, wo sie im Research und im Business Consulting tätig war.
Simon Hurst arbeitete von 2012 bis 2014 als Recherche- und Projektassistent bei Avenir Suisse.

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