Der Venture-Capital-Markt in der Schweiz
Triebfeder der Innovationsfähigkeit

Konjunkturpolitische Wundertaten werden kaum genügen, um die gegenwärtige weltweite Wirtschaftskrise zu überwinden und wieder auf einen nachhaltigen und steileren Wachstumspfad einzuschwenken. Eine Wirtschaftspolitik der kurzfristigen Nachfragestimulierung, so wichtig diese in der gegenwärtigen konjunkturellen Ausnahmesituation auch sein mag, schafft noch kein nachhaltiges Wachstum. Sie wirkt bestenfalls stabilisierend, schlimmstenfalls sogar bremsend auf den Strukturwandel. Wirtschaftswachstum und Strukturwandel bedingen sich aber gegenseitig. Erst durch die kontinuierliche Veränderung der Produktionsstruktur einer Volkswirtschaft, durch das laufende «upgrading» des Produktionsapparates und den Prozess der «kreativen Zerstörung» entstehen ertragreiche Innovationen, steigen die Wirtschaftsleistung
einer Volkswirtschaft und damit Wachstum und Beschäftigung. Strukturerhaltung verhindert dagegen diesen Prozess mit dem Ergebnis, dass die Wirtschaftsleistung
und der Wohlstand stagnieren.



Die Studie «Der Venture-Capital-Markt in der Schweiz» zeigt auf, welchen Beitrag die Venture-Capital-Industrie zur Erneuerung der Unternehmensdemographie und zur Innovationsfähigkeit der Schweizer Unternehmen leisten kann. Basierend auf Befragungen von Investoren in diesem Markt wurde Optimierungspotential bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen aber auch bei den Akteuren selbst geortet. Es ist klar, dass im gegenwärtigen Wirtschaftsabschwung die Risikokapitalindustrie einen Rückschlag erleidet. Allerdings stehen die Perspektiven immer noch günstig.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie zählen:

1. Ein eigentlicher Mangel an Venture-Capital liegt im Urteil der befragten Investoren nicht vor. Damit wird nicht gesagt, dass es in der Frühphase (Seed-money und Start-up) von technologie- und wissensorientierten Unternehmungsgründungen keine kritischen Finanzierungsengpässe gibt. Es wird lediglich zum Ausdruck gebracht, dass es sich dabei nicht um das Hauptproblem handelt. Diese Aussage steht in deutlichem Widerspruch zu den in der Politik immer wieder geäusserten Behauptungen, es gebe allgemein zu wenig Risikokapital und es brauche deshalb staatliche Eingriffe – entweder direkt zugunsten einzelner Unternehmen und Branchen oder indirekt über die steuerliche Förderung von Risikokapital.   

2. Das Hauptproblem des schweizerischen Venture-Capital-Marktes liegt in den Augen der befragten Investoren im ungenügenden «Deal-Flow». Es gibt zu wenig interessante Geschäftsideen. Das hängt zum einen sicher mit der Kleinheit des Heimmarktes zusammen, der die Realisierung neuer Ideen begrenzt. Zum andern wird das Potenzial der kooperativen Innovation im Dreiklang «Bildung-Forschung-Wissenstransfer» trotz einiger positiver Ansätze noch nicht genügend offensiv genutzt.

3. Im Zuge der Verkürzung der Innovationszyklen, steigender Innovationskosten und eines intensiveren weltweiten Innovationswettbewerbs ist das lineare Innovationsmodell mit den stufenweisen Abfolgen von der Grundlagenforschung, der angewandten Forschung über das Pilotprojekt bis zum marktreifen Produkt obsolet geworden. Es ist abgelöst worden durch ein vielfältiges Netz von Interaktionen zwischen verschiedenen nationalen und ausländischen Akteuren auf unterschiedlicher Ebene. Kooperative Formen der Wissensgenerierung stehen deshalb immer mehr im Fokus. Gefordert ist im Zeitalter der Globalisierung ein mobilisierender Handlungsrahmen: die Entrepreneurial Society.