Im letzten Beitrag unserer Blogserie zur Migration gingen wir der Frage nach, wie viele Menschen in die Schweiz einwandern, woher sie kommen und welchen Einfluss sie auf das Bevölkerungswachstum hierzulande haben. In diesem Beitrag gehen wir einen Schritt weiter: Wir schauen uns an, was Menschen konkret in die Schweiz zieht, welche Qualifikationen sie mitbringen – und wir beleuchten einen Aspekt, der in den Migrationsstatistiken häufig untergeht: die Dynamik von Ein- und Auswanderung.

Menschen wandern aus unterschiedlichen Gründen in die Schweiz ein. Während in den 1990er Jahren der Familiennachzug dominierte, steht heute die Erwerbstätigkeit im Vordergrund: 65% aller seit 2010 eingewanderten EU/Efta-Staatsangehörigen kamen aus beruflichen Gründen in die Schweiz. Dieser Anteil hat über die Jahre tendenziell zugenommen – 2024 waren es 71%. Bei den Drittstaatsangehörigen hingegen überquert nur jede zehnte Person die Grenze zwecks Erwerbstätigkeit. Insgesamt stammen 94% der seit 2010 zugewanderten Arbeitskräfte aus einem EU/Efta-Land.

Der zweithäufigste Zuwanderungsgrund ist der Familiennachzug. Knapp jede dritte Aufenthaltsbewilligung wird im Rahmen einer Familienzusammenführung erteilt. Bei Drittstaatsangehörigen ist der Familiennachzug sogar der dominierende Einwanderungsgrund. In rund 60% der Fälle handelt es sich um den Nachzug eines Ehepartners, in 40% um nachgezogene Kinder. Übrige Verwandte spielen mit 0,2% (rund 100 Personen pro Jahr) kaum eine Rolle.

Vom Recht auf Familiennachzug machen sowohl Schweizer als auch ausländische Staatsangehörige Gebrauch. Bei der Einwanderung aus Drittstaaten entfällt rund jeder dritte Familiennachzug (34%) auf den Nachzug von Familienangehörigen durch gebürtige oder eingebürgerte Schweizer. Bei EU/Efta-Zuwanderern sind es lediglich 6% der Fälle.

Die Statistik zu den Einwanderungsmotiven basiert auf dem Grund der erteilten Aufenthaltsbewilligung und ist zu relativieren: Sie bildet nicht immer das tatsächliche Hauptmotiv für die Einreise ab – etwa dann, wenn eine Person eine Stelle annimmt, um mit dem Partner zusammenleben zu können. So gaben in einer Befragung zuletzt «nur» 57% der EU/Efta-Zuwanderer primär berufliche Gründe für ihre Einreise an. Das sind rund 10 bis 15 Prozentpunkte weniger, als die offizielle Statistik ausweist.

Unabhängig vom ursprünglichen Einwanderungsgrund zeigt sich jedoch eine hohe Dynamik nach der Einreise: Viele Personen, die ursprünglich nicht aus beruflichen Gründen zugewandert sind, nehmen relativ rasch nach dem Zuzug eine Erwerbstätigkeit auf.

Qualifikationen: Anteil Hochqualifizierter steigt

Bis Mitte der 1990er Jahre waren lediglich 10 bis 20% der Zuwanderer Akademiker; jeder zweite Ausländer überquerte die Schweizer Grenze ohne Berufsausbildung. Mit der Zeit – und mit der Personenfreizügigkeit – hat sich die Struktur der Zuwanderung jedoch stark verändert. Während Erwerbstätige aus Europa heute über ein vergleichbares Ausbildungsniveau wie Schweizer verfügen, sind Drittstaatsangehörige im Durchschnitt niedriger qualifiziert. Betrachtet man ausschliesslich die in den vergangenen Jahren zugewanderten Erwerbstätigen, zeigt sich: Mehr als die Hälfte verfügt inzwischen über einen Abschluss auf Tertiärstufe (Hochschule, Fachhochschule oder höhere Berufsbildung).

Ausländer sind jedoch nicht nur am oberen, sondern auch am unteren Ende des Qualifikationsspektrums stärker vertreten. Dabei spielen auch die jeweiligen Bildungssysteme eine Rolle. Länder ohne duales Bildungssystem «produzieren» tendenziell mehr Personen mit Tertiärabschlüssen und weniger mit Abschlüssen auf Sekundarstufe II. Hinzu kommt, dass das jüngere Alter vieler europäischer Zuwanderer einen Teil der Unterschiede erklärt. So hat das über die Zeit gestiegene Bildungsniveau dazu geführt, dass inzwischen auch 54% der 25- bis 39-jährigen Schweizer über einen Tertiärabschluss verfügen, weitere 43% über einen Abschluss auf Sekundarstufe II.

Dynamik: Viele kommen – nicht alle bleiben

Neben den Qualifikationen ist auch die Aufenthaltsdauer der Zugewanderten relevant. In der öffentlichen Diskussion stehen meist Nettogrössen wie der Wanderungssaldo im Vordergrund. Diese verdecken jedoch die Dynamik hinter den Zahlen. So sind zwischen 2000 und 2024 insgesamt 3,5 Millionen Ausländer in die Schweiz eingewandert, gleichzeitig haben knapp 1,9 Millionen das Land in diesem Zeitraum wieder verlassen. Kurzfristige Aufenthalte von weniger als zwölf Monaten sind dabei noch gar nicht erst erfasst.

Eine Analyse der 2009 in die ständige Wohnbevölkerung eingewanderten Personen zeigt: Nach zwei Jahren hat jede vierte Person, nach fünf Jahren jede dritte die Schweiz wieder verlassen. 15 Jahre nach Einreise lebt noch gut die Hälfte im Land; rund 15% der Zuwanderer wurden inzwischen eingebürgert.

Wie lange Zugewanderte bleiben, hängt nicht zuletzt vom Einwanderungsgrund und der Herkunft ab: Aufenthalte zu Ausbildungs- oder Erwerbszwecken sind oft nur vorübergehend – insbesondere bei Drittstaatsangehörigen. Wer hingegen im Rahmen des Asylsystems Schutz erhält, bleibt in der Regel auch langfristig in der Schweiz.

Blogserie zur Migration

Migration bewegt die Schweiz: politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Kaum ein anderes Thema wird so intensiv und emotional diskutiert. Mit der Blogserie zur Migration beleuchtet Avenir Suisse die vielfältigen Facetten der Zuwanderung in die Schweiz. Wir liefern Zahlen und Fakten, um das Einwanderungsland Schweiz besser zu verstehen.

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