Mit der Kita-Politik werden ambitionierte Ziele verfolgt: Sie soll die Erwerbstätigkeit von Frauen fördern und die frühkindliche Entwicklung unterstützen. Doch braucht es dafür ein stärkeres Engagement des Bundes? Eine neue Analyse von Avenir Suisse verortet die Verantwortung bei den Kantonen und Gemeinden, die näher bei den Bedürfnissen der Eltern sind.

Verwischte Zuständigkeiten verschleiern die Verantwortung

In ihrer Analyse zeigen Patricia Schafer und Agustina Rodriguez Widmer, wie die vorschulische Betreuung in der Schweiz organisiert ist. Ihre Diagnose lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:

  • Unklare Verantwortlichkeiten: In den meisten Kantonen ist die vorschulische Betreuung eine Verbundaufgabe von Gemeinden und Kantonen. Ein permanentes Bundesengagement würde die Zuständigkeiten weiter verwässern.
  • Bürokratische Regulierung: Ein neuer, von Avenir Suisse entwickelter Index zeigt: Besonders die Romandie reguliert die Kitas stark – von Raumvorgaben bis zu Personalanforderungen.
  • Ineffiziente Förderung: Die Finanzierung erfolgt häufig über Starthilfen, Defizitgarantien oder direkte Subventionen einzelner Kitas. Zielgenauere Instrumente wie Betreuungsgutscheine kommen seltener zum Einsatz.

Nähe, Vielfalt und Zielgenauigkeit stärken

Aus dieser Diagnose leiten die Autorinnen drei Massnahmen ab:

  • Zuständigkeit bei den Gemeinden ansiedeln: Gemeinden kennen ihre Bevölkerung und deren Bedürfnisse am besten. Einheitliche Vorgaben von oben werden den lokalen Gegebenheiten nicht gerecht.
  • Regulierung auf das Wesentliche beschränken: Detailvorgaben – etwa zu Bodenbelägen – erhöhen die Kosten und verringern die Vielfalt des Angebots.
  • Familien statt Institutionen fördern: Betreuungsgutscheine für Familien statt direkter Subventionen für Kitas stärken die Wahlfreiheit. Besonders wirksam sind sie für Kinder aus benachteiligten Haushalten.

Diese Reformen stimmen das Angebot besser auf lokale Bedürfnisse ab, unterstützen Familien gezielter und schaffen fairen Wettbewerb zwischen den Anbietern. Studienautorin Patricia Schafer sagt: «Folgt man unseren Vorschlägen, entsteht eine Kita-Politik, die Gelder zweckmässig einsetzt – und dort wirkt, wo sie hingehört: nahe bei den Familien.»