Die Lebenserwartung steigt und steigt – auch in der Schweiz. Um das finanzielle Gleichgewicht der Sozialversicherungen zu sichern, wird nun auch hierzulande über ein höheres Rentenalter diskutiert. International gehören wird damit eher zu den Nachzüglern, denn 18 OECD-Länder haben diesen Schritt bereits vor uns gemacht. Hören Sie den Podcast mit Jérôme Cosandey, der von Nicole Dreyfus über die aktuelle Rentenalter-Debatte in der Schweiz interviewt wird.

Lange Zeit ging es der Schweiz einfach sehr gut. Für Jérôme Cosandey ist das der Hauptgrund, dass eine seriöse Diskussion über ein höheres Rentenalter erst jetzt einsetzt. Die Problematik der AHV werde aber mittlerweile breit wahrgenommen.

Viele Ängste, die in Zusammenhang mit einer Erhöhung des Rentenalters kursieren, sind unbegründet. Die Erfahrung in der Schweiz (bei der Anpassung des Rentenalters der Frauen) habe bisher gezeigt, dass eine Erhöhung des Rentenalters auch wirklich zu einer Verschiebung des effektiven Rentenalters führe. Auch für Arbeitsplatzsorgen in Bezug auf die junge Generation gibt es wenig Anlass – im Gegenteil. Eine Mehr an Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern geht in vielen Ländern einher mit einer hohen Erwerbsbeteiligung der Jungen. Hinzu kommt, dass der Schweizer Arbeitsmarkt immer noch durch Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel geprägt ist.

Die Volkswirtschaft würde doppelt von einem höheren Rentenalter profitieren: Erstens bliebe die Kompetenz der älteren Fachkräfte dem Arbeitsmarkt erhalten, und zweitens wäre es für die Sozialversicherungen eine Sanierungsmassnahme ohne Mehrausgaben. Eine Win-Win-Situation also.

Damit diese Reform auch an der Urne Erfolg haben kann, braucht es aber gute Übergangsregelungen, damit auch älteren Arbeitnehmern Zeit bleibt zur Anpassung an das neue System.