Voraussichtlich im Februar 2027 entscheiden die Stimmberechtigten, ob neue Kernkraftwerke in der Schweiz wieder erlaubt sein sollen. Falls sich der Souverän für ein Ja ausspricht, stellt sich eine entscheidende wirtschaftliche Frage: Lässt sich ein neues Kernkraftwerk so bauen und finanzieren, dass es zu konkurrenzfähigen Kosten Strom produziert?
10 bis 15 Milliarden Franken für ein neues Kernkraftwerk
In der Debatte über neue Kernkraftwerke hat eine Studie der Akademien der Wissenschaften Schweiz mit Kosten von bis zu 43 Milliarden Franken gerechnet. Dieser Wert betrifft jedoch einen besonders grossen Reaktor, dessen Bau zudem durch hohe Kostenüberschreitungen geprägt ist. Für ein Werk in der Grösse von Gösgen rechnet Avenir Suisse in einer neuen Analyse mit Kosten von 10 bis 15 Milliarden Franken, ähnlich viel wie der Gotthard-Basistunnel gekostet hat.
Die Schätzung setzt allerdings voraus, dass aus den Verzögerungen und Kostenüberschreitungen der jüngsten Projekte in Europa und den USA gelernt wird und ein erprobter, fertig geplanter Reaktortyp zum Einsatz kommt. Der Strom daraus kostet im Grundszenario rund 172 Franken pro Megawattstunde.
Kernenergie kann es mit Solarstrom aufnehmen
Wie konkurrenzfähig Kernkraft damit tatsächlich ist, zeigt aber erst der Vergleich mit anderen Stromquellen. So erscheint Solarstrom auf den ersten Blick oft günstiger als Strom aus einem neuen Kernkraftwerk. Doch die reinen Produktionskosten erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Entscheidend ist auch, wann Strom produziert wird. Solarstrom fällt häufig dann an, wenn bereits viel Strom im Netz ist und die Preise niedrig sind. 2025 erzielte Solarstrom im Schnitt nur 56 Franken pro Megawattstunde, bei einem durchschnittlichen Börsenpreis von rund 100 Franken. Hinzu kommen zusätzliche Kosten für den Netzausbau. Berücksichtigt man diese Faktoren, kostet Strom aus grösseren Solaranlagen rund 160 Franken pro Megawattstunde und liegt damit gleich auf mit Kernkraft. Kleine Dachanlagen sind mit rund 280 Franken deutlich teurer.
Politische Risiken verteuern die Finanzierung
Auch wenn Kernkraft im Vergleich mit Solarstrom mithalten kann, ist damit die Wettbewerbsfähigkeit noch nicht gegeben. Die Kosten für Strom aus einem neuen Kernkraftwerk liegen über dem durchschnittlichen Börsenstrompreis der vergangenen Jahre – wobei dieser durch diverse Subventionen verzerrt ist. Ob sich diese Ausgangslage ändert, hängt wesentlich davon ab, zu welchen Bedingungen ein neues Kernkraftwerk finanziert werden kann. Damit kommt die Politik ins Spiel.
Ein Kernkraftwerk wird rund zehn Jahre gebaut und muss danach 60 Jahre lang Strom verkaufen. Ein späterer Ausstiegsentscheid wie in Deutschland kann eine solche Investition auf einen Schlag entwerten. Investoren verlangen deshalb einen hohen Risikoaufschlag, und dieser fällt ins Gewicht: Sinken die Finanzierungskosten von 8 auf 5 Prozent, sinken die Stromgestehungskosten um einen Drittel.
Klare Entschädigungsregel statt Subventionen
Benötigen neue Kernkraftwerke darum Kreditgarantien, Subventionen oder garantierte Strompreise? Avenir Suisse hält das für den falschen Weg: Risiken aus Bauverzögerungen, Kostenüberschreitungen oder tiefen Strompreisen sollen bei den Investoren bleiben und nicht auf die Allgemeinheit überwälzt werden. Der Staat soll nur jenes Risiko minimieren, das er selbst verursacht.
Avenir Suisse plädiert deshalb für planbarere Bewilligungsverfahren und eine klar geregelte Entschädigung, falls die Politik ein Kraftwerk nachträglich stoppt. Grossbritannien kennt eine solche Regel für das Kraftwerk Hinkley Point C, die Schweiz ein ähnliches Prinzip bei der Wasserkraft. Derselbe Massstab soll zudem für alle Stromquellen gelten: Ineffiziente Subventionen, etwa im Solarbereich, sollten abgeschafft werden. Und falls der Markt zu wenig sichere Winterleistung bereitstellt, sollte der Staat diese Leistung gezielt vergüten und nicht eine bestimmte Technologie fördern.