Der Erfolg von Dominique Rinderknecht, neue Miss Schweiz 2013 und ehemalige Avenir-Suisse- Mitarbeiterin, beweist, dass konträre Strategien auch zum Erfolg führen können.Dominique Rinderknecht, Miss Schweiz 2013

Über einen Laufsteg laufen, vor der Kamera posieren, einen Staatskundetest beantworten und dabei immer strahlen: von den vielen Vorausscheidungen bis zum grossen Finale im Hallenstadion mussten die Kandidatinnen zur Miss Schweiz 2013 stets zeigen, dass sie das Zeug zur Miss haben. Und so taten es die meisten – manchmal auf eine beinahe übereifrige Weise. Man kann es ihnen jedoch nicht anlasten, denn im Leben wie bei den Misswahlen ist man gut beraten, zu zeigen, was man hat. Diese einfache Einsicht hat nicht nur manchen Missen zur Krönung verholfen, sie hat auch zwei Ökonomen einen Nobelpreis beschert. Im Jahr 2007 erhielten Erik Maskin und Roger Mayerson den begehrten Preis unter anderem für ihre Arbeiten zum «revelation principle», dem Offenbarungsprinzip.

Knapp zusammengefasst besagt dieses spieltheoretische Konzept, dass Individuen ihre vorteilhaften Eigenschaften stets gerne und mit Gewinn «offenbaren» werden. Dadurch zwingen sie nämlich all jene Konkurrenten, die diese Eigenschaften nicht besitzen, dieses ihr Manko offenzulegen. Deshalb erwerben wir Diplome, deren einziger Wert eigentlich in dem Beweis liegt, dass wir das Gelernte auch wirklich beherrschen – und andere eben unter Umständen nicht. Und damit sind wir wieder beim durchaus rationalen Übereifer verschiedener Kandidatinnen bei Wettbewerben wie dem um den Titel der Miss Schweiz: Jedes Mal, wenn eine Kandidatin zeigen kann, dass sie die Attribute einer Miss besitzt, wird sie es auch tun. Täte sie es nicht, müsste sie damit rechnen, dass die Jury sie als nicht geeignet beurteilt. Und deshalb kommt es gelegentlich auch zu kleineren oder grösseren Peinlichkeiten.

Im Vorfeld glaubten viele, Dominiques inzwischen fast schon kultige Kurzhaarfrisur sei für sie ein Handicap, denn – so die weitverbreitete Meinung – von einer Miss Schweiz erwarte man einen «typisch weiblichen» Haarschnitt. Doch offenbar hat dieses etwas plakative Denkschema nicht gespielt. Signale können eben sehr subtil sein: Unter Umständen kann die Weigerung, am Signalspiel mitzumachen, das stärkste Signal senden. Diese Entscheidung verlangt eine gute Einschätzung der Jury und eine Prise Risikobereitschaft. Hier hat sie funktioniert: Gut gespielt, Miss Strategie!