Das Konzept

Was ist «Antifragilität»?

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Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Postschalter, ein Paket in der Hand. Der Inhalt? Zerbrechlich. Sie greifen intuitiv nach einem Aufkleber «Fragile» oder «Handle with care». Ein klarer Hinweis, dass der Inhalt sorgfältig behandelt werden muss, denn er könnte unter Belastung in die Brüche gehen. Doch was, wenn Sie das Gegenteil verschicken wollten: Ein Paket mit einem Inhalt, der nicht nur unempfindlich ist, sondern von Erschütterungen, Stössen oder Druck profitiert?

Wie Nassim Nicholas Taleb in seinem Bestseller «Antifragile: Things That Gain from Disorder» ausführt, ist das Gegenteil von «fragil» nicht etwa «robust» oder «stabil». Robustheit bedeutet, dass etwas Belastungen standhält, sich dabei aber nicht verbessert. Das Gegenteil eines fragilen Paketes wäre ein Paket, auf dem zu lesen wäre: «Bitte unvorsichtig behandeln». Oder, wie Taleb es nennt: «Antifragil».

Antifragile Systeme und Strukturen wachsen an Herausforderungen. Sie nutzen zufällige Ereignisse, Volatilität und sogar Fehler, um sich weiterzuentwickeln. Dies unterscheidet sie grundlegend von robusten oder fragilen Systemen:

  • Ein fragiles System bricht unter Druck zusammen. Denken Sie an ein Kartenhaus oder an ein schlecht geführtes Unternehmen – ein kleiner Stoss, und alles stürzt in sich zusammen.
  • Ein robustes System bleibt stabil, trotzt äusseren Einflüssen, verändert sich dabei jedoch nicht. Ein Felsblock widersteht einem Sturm, aber er wird dadurch weder stärker noch schwächer.
  • Ein antifragiles System hingegen nutzt genau die Herausforderungen, die andere zerstören können, um daran zu wachsen. Stellen Sie sich einen Besuch im Fitnessstudio vor: Ihre Muskeln werden durch den gezielten Stress der Gewichte belastet, ja herausgefordert. Doch in der Regenerationsphase bauen sie sich stärker wieder auf.

Antifragilität klingt zunächst wie ein neuer Name für Flexibilität oder Resilienz. Doch sie reicht weiter. Resilienz bedeutet, Veränderungen und Krisen zu überstehen, ohne daran Schaden zu nehmen. Ein antifragiles System hingegen nutzt Herausforderungen, um stärker zu werden – und eröffnet damit die Möglichkeit zu echtem Fortschritt.

Dabei geht es nicht um das gezielte Suchen maximaler Belastung, denn das führt meist zum Zusammenbruch. Entscheidend ist das richtige Mass: Systeme wachsen an Unsicherheit und Stress, solange diese nicht existenziell bedrohlich werden. Genau darin liegt die Kunst, antifragile Strukturen zu erkennen und zu fördern – im persönlichen Leben ebenso wie in Organisationen oder ganzen Gesellschaften.

So neu der Begriff auch klingen mag, das Prinzip dahinter ist es keineswegs. Antifragilität begegnet uns überall: Sie ist das Erfolgsgeheimnis der Evolution, das Fundament von Innovation – und ein Schlüssel zum Verständnis der Schweiz.

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