Die Aufregung über die neusten Pisa-Resultate war gross. Das ist nicht erstaunlich, denn die Erhebungen zeigen für die Schweiz, dass 29% der 15-Jährigen die Grundkompetenzen im Lesen nicht erreichen. Die Schweiz schneidet im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern zwar nach wie vor überdurchschnittlich ab, aber die Entwicklung ist negativ. Und die Schweiz gibt sehr viel Geld für Bildung aus.

Mit jährlich über 24’000 Franken pro Kind in der obligatorischen Schule belegt sie Platz zwei im OECD-Ranking – hinter Luxemburg. Bildung liegt in der Schweiz indes in der Zuständigkeit der Kantone. Ein Blick auf die gesamtschweizerischen Ausgaben verdeckt daher die grosse Streuung zwischen den Kantonen.

Kantonale Bildungsausgaben variieren stark – und driften weiter auseinander

Wir haben die kantonalen Ausgaben berechnet, und die Spannweite ist enorm: 2024 gab Basel-Stadt rund 38’000 Franken pro Kind in der obligatorischen Schule aus, das Wallis und der Jura hingegen nur gut 17’000 Franken, also weniger als die Hälfte. Zwölf Kantone liegen zwischen 20’000 und 25’000 Franken. Die Unterschiede verlaufen dabei weniger entlang des «Röstigrabens» als zwischen Stadt und Land.

Seit der Jahrtausendwende sind die realen Ausgaben pro Kind zwar überall gestiegen, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmass: In Glarus, Graubünden und Thurgau haben sie sich mehr als verdoppelt, in Genf, Jura und Uri stiegen sie «nur» um rund 50%. Die Unterschiede zwischen den Kantonen haben sich im Zuge dieser Entwicklung vergrössert: Zwischen den beiden Extremen liegen heute über 20’000 Franken.

Die teils grossen Unterschiede bei den Bildungsausgaben lassen sich bis zu einem gewissen Grad durch die unterschiedliche Ausgangslage in den Kantonen erklären. So variiert etwa der Anteil fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler stark, was zusätzlichen Förderbedarf und damit höhere Kosten verursachen kann. Das Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik hat erforscht, ob höhere Ausgaben zu besseren Grundkompetenzen führen, wenn man für solche demografischen und weiteren kantonalen Unterschiede kontrolliert. Doch in ihrem interkantonalen Vergleich können sie keinen entsprechenden Zusammenhang erkennen.

Die blosse Höhe der Mittel scheint somit nicht entscheidend zu sein, sondern vor allem deren Verwendung. Die Kantone können die Gelder unterschiedlich einsetzen, etwa für mehr frühkindliche Förderung, kleinere Klassengrössen oder zusätzliche iPads. Gerade angesichts der steigenden Bildungsausgaben ist es zentral, zu verstehen, welche Ansätze der Kantone, Gemeinden und Schulen gut funktionieren – und welche nicht.

Den Bildungsföderalismus künftig stärker nutzen

Doch was wissen wir über die Wirksamkeit unterschiedlicher Ansätze? Hier harzt es bisher: Es fehlen standardisierte, kantonsübergreifend vergleichbare Daten zu den Grundkompetenzen von Kindern und Jugendlichen über die Zeit. Wer die Kantone heute vergleichen will, ist auf die Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) angewiesen – deren Erhebungen aber nur Momentaufnahmen einzelner Schulstufen liefert. Rund die Hälfte der Kantone schreibt zudem schulübergreifende Kompetenztests auf Primar- oder Sekundarstufe vor. So absolvieren etwa die Schülerinnen und Schüler im Bildungsraum Nordwestschweiz (AG, BL, BS, SO) mehrmals während der obligatorischen Schulzeit standardisierte Leistungstests, die sogenannten «Checks».

Immerhin: Ab 2028 soll das neue «Monitoring der Grundkompetenzen» regelmässige Vergleiche über alle Kantone hinweg ermöglichen. Alle vier Jahre wird ein Jahrgang im 8. Schuljahr getestet und drei Jahre später, am Ende der obligatorischen Schulzeit, ein zweites Mal. Mit dieser neu geschaffenen Transparenz lassen sich erfolgreiche Ansätze eher identifizieren und von anderen Kantonen übernehmen – und das «Labor Föderalismus» könnte seine Vorteile endlich ausspielen.