Das fulminante Aufholen der Saläre von Frauen wird zu wenig gewürdigt. Dabei steigen die Reallöhne der Arbeitnehmerinnen sowohl gemäss den Daten der AHV als auch laut der «Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung» seit über zwanzig Jahren kontinuierlich. Eine Ursache für die weit verbreitete Überzeugung, wonach Frauen diskriminiert werden, ist die unbefriedigende Datenlage. Die Studie «Gleichstellung» von Avenir Suisse zeigt auf, wie Frauen weiterhin an ökonomischer Macht gewinnen werden.

Die Entlohnung der Frauen hat in den vergangenen dreissig Jahren kontinuierlich und deutlich aufgeholt. Gemäss den Daten der AHV sind die Reallöhne der Frauen seit 1982 (auf Vollzeitbasis) um fast 50 % gestiegen, diejenigen der Männer nur um 30 %. Im Mittel entspricht dies einem jährlichen inflationsbereinigten Anstieg von 1,3 % für die Frauen und 0,8 % für die Männer. Die seit 1991 durchgeführte «Schweizerische Arbeitskräfteerhebung» (SAKE) stützt die Aussagen der AHV-Daten über den Zeitraum von gut zwanzig Jahren.

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Die Aufholjagd der Löhne von Frauen wird in der Schweiz wenig gewürdigt. Grund dafür ist unter anderem die unbefriedigende Datenlage. Die Lohnentwicklung im Zeitverlauf wird oft  mit dem «Schweizerischen Lohnindex» dargestellt, der hier aber eine denkbar ungeeignete Statistik darstellt, weil er die «reine» Lohnentwicklung einer möglichst konstanten Kategorie von Arbeit misst. Damit blendet er die Dynamik des Arbeitsmarkts ebenso aus wie die Zunahme der Qualifikation. Mittel- bis langfristig steigen die bezahlten Löhne in der Realität weit stärker, als es der Lohnindex ausweist. Die Löhne der Frauen sind allerdings selbst gemäss dem Schweizerischen Lohnindex mehr gewachsen als diejenigen der Männer.

Der frappante Unterschied zwischen der Lohnentwicklung gemäss den AHV-Zahlen und jener gemäss dem Schweizerischen Lohnindex lässt sich im Wesentlichen auf zwei Gründe zurückführen: Der Bildungsstand der Frauen hat zugenommen, und es hat sich, was aufs Ganze gesehen wohl noch wichtiger ist, eine selbstverstärkende Eigendynamik entfaltet. Durch ihre zunehmende Partizipation und kürzere Erwerbsunterbrüche sammeln die Frauen mehr Erfahrung; sie erhalten und stärken ihr Humankapital. Das wird auf dem Arbeitsmarkt honoriert. Dies wiederum erhöht den Anreiz, im Job zu bleiben. Dazu kommt, dass nicht nur die generelle Arbeitsmarkterfahrung, sondern auch die höhere Betriebstreue positiv zu Buche schlägt, denn betriebsspezifische Kenntnisse sind besonders wertvoll.

Noch deutlicher zeigt sich das fulminante Aufholen der Frauen, wenn man nicht die Löhne zum Massstab nimmt, sondern die (AHV-pflichtige) Lohnsumme. Wegen ihrer stark zunehmenden Erwerbsbeteiligung ist die Lohnsumme der Frauen inflationsbereinigt um 140 % gestiegen, die von Männern verdiente reale Lohnsumme hingegen nur um 64 %. Immerhin 42 % der gesamtwirtschaftlichen Kaufkraftzunahme der Löhne seit 1982 gehen auf den zusätzlichen Verdienst der Frauen zurück. 2012 betrug die gesamte von Frauen erarbeitete Lohnsumme 103 Mrd. Fr. Diese Zahlen zeigen eindrücklich, dass Frauen an ökonomischer Macht und damit an Selbstbestimmung gewonnen haben – und auch weiter gewinnen werden.

Hier geht’s zum avenir debatte «Gleichstellung – Warum der Arbeitsmarkt nicht versagt».