Cash bleibt trotz dem Aufschwung elektronischer Zahlungsmittel unverzichtbar. Bargeld ist weder ineffizient noch teuer, und es schränkt auch die Wirksamkeit der Geldpolitik nicht ein. Ausserdem vermittelt es den Menschen in Krisenzeiten ein Gefühl von Sicherheit. Konsum, der mit Münzen und Noten finanziert wird, bewahrt die Privatsphäre und damit das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Es gilt somit Abschied zu nehmen von neuen Klischees über das Geld.

Mit den Negativzinsen ist auch das Bargeld bei vielen Geldpolitikern unter Druck geraten, weshalb die Frage nach seiner Zukunft aktueller ist denn je (vgl. Negativzinsen: Ein Experiment mit ungewissem Ausgang, Juli 2016). Symptom für ein grundsätzliches Misstrauen sind nicht nur die in einigen europäischen Ländern eingeleiteten Massnahmen zur Beschränkung oder gar Abschaffung des Bargeldes, sondern auch die internationale geldpolitische Diskussion über dieses Thema. Die Abschaffungs-Befürworter führen ins Feld, Bargeld sei ein ineffizientes und kostenintensives Zahlungsmittel. Die Banken müssten unter aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen Noten und Münzen unterhalten. Ausserdem könne Bargeld verloren oder gestohlen werden. Und: Bargeld schränke die Wirksamkeit der Geldpolitik ein – vor allem in einer Welt mit Negativzinsen. – Was ist von diesen Argumenten zu halten?

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Bargeld diszipliniert die Notenbanken

Es trifft nicht zu, dass ein Nominalzins von Null einen magischen Schwellenwert für die Geldpolitik darstelle, der wegen der Existenz von Bargeld nicht unterschritten werden könne. Dänemark und die Schweiz beweisen seit geraumer Zeit, dass Bargeld und negative Nominalzinsen durchaus koexistieren können. Vielmehr müsste das geldpolitische Verständnis der Bargeld-Kritiker beunruhigen, gehen sie doch von einem umfassenden Mandat der Notenbanken aus.

Unabhängig von den Fortschritten im bargeldlosen Zahlungsverkehr sprechen auch in Zukunft wichtige ökonomische, staatspolitische und gesellschaftliche Gründe für die Beibehaltung des Bargeldes: In der Schweiz und auch in den meisten anderen Industrieländern sind Münzen und Banknoten das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Seine Abschaffung würde die Banken nicht nur von den Kosten des Bargeldverkehrs, sondern auch von der latenten Sorge eines Bankruns befreien. So gesehen ist es sogar sinnvoll, dass die Existenz von Bargeld die Wirksamkeit der Geldpolitik einschränkt, weil es die Notenbanken zum Masshalten animiert.

Bargeld schützt in Krisenzeiten

Bargeld dient auch als Wertaufbewahrungsmittel ausserhalb des Finanzsystems. So sind in der Eurozone schätzungsweise nur 15% bis 20% der Noten im Transaktionsumlauf, der Rest wird gehortet oder befindet sich im Ausland. Es trifft zwar zu, dass die unbaren elektronischen und mobilen Zahlungssysteme in den letzten Jahren einen starken Aufschwung erlebt haben. Trotzdem ist Bargeld immer noch beliebt: So stieg etwa der Euro-Banknotenumlauf seit der Einführung des Euro 2004 bis 2015 um rund 116%. Der Banknotenumlauf des Pfund Sterling oder des US-Dollar ist in dieser Periode mit rund 90% nur unwesentlich langsamer gewachsen.

Bargeld ist damit ausserdem ein wichtiges und willkommenes Diversifikationsinstrument. Diese Funktion zeigt sich immer wieder in Zeiten erhöhter Unsicherheit oder von Krisen, in denen die Bevölkerung nach dem Motto «Nur Bares ist Wahres» eine Präferenz für physisch greifbare Werte hat. So ist die Nachfrage nach Banknoten nach dem Ausbruch der Finanzkrise auch in der Schweiz spürbar angestiegen, und zwar von knapp 7% des BIP 2008 auf heute rund 11%. Gegenwärtig sind über 40 Mrd. Fr. an Tausendernoten im Umlauf, obwohl sie für den Zahlungsverkehr kaum eingesetzt werden können.

Bargeld sichert Privatsphäre

Barzahlung gewährleistet schliesslich die Privatsphäre und damit das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, weil die privaten Bar-Umsätze nicht dokumentiert werden können. Cash hinterlässt – im Gegensatz zu elektronischem Buchgeld – keine digitalen Spuren. Eine Abschaffung des Bargeldes würde die Bürgerinnen und Bürger nicht nur unmittelbar in die unbaren, elektronischen Zahlungssysteme der Banken und Internetfirmen zwingen, sondern sie direkt auch deren Ausfallrisiken aussetzen (Bail-in).

Ob Bargeld in Zukunft weiterhin benützt wird oder ob unbare, mobile Bezahlsysteme diesem den Rang ablaufen, wird sich weisen. Entscheidend sollte jedoch sein, dass die Bürgerinnen und Bürger frei wählen können, welchem Bezahlsystem sie den Vorzug geben. Es liegt nicht an der Politik oder dem Staat, diesen Prozess zu steuern. Bargeld ist in einer freiheitlichen Wirtschaft und Gesellschaft ein wichtiges Element von Privatheit und Selbstverantwortung. Gerade im Zeitalter von Big Data muss den Abschaffern von Bargeld entschieden entgegengetreten werden. Oder um es mit Dostojewski zu sagen: «Geld ist geprägte Freiheit!».