Die Metropolitanregion Genfersee (© Schwick & Spichtig)

Damit die Genferseeregion auf Erfolgskurs bleiben kann, bedarf es neuer Governance-Strukturen. Die Entwicklung des «Arc Lémanique» sollte über die Gemeinde-, Kantons- und Landesgrenzen hinweg koordiniert werden. Hilfreich wären hierfür auch eine gemeinsame Vision sowie häufigere, auf die Aufgaben abgestimmte Koalitionen zwischen den unterschiedlichen lokalen Entscheidungsträgern.

Der Begriff der «Metropolitanregion Genfersee» hat in den vergangenen Jahren nicht nur Eingang in das Bewusstsein von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien gefunden, sondern sich auch fest im Wortschatz der lokalen Bevölkerung verankert. Das Gewässer, nach dem sich die Region benennt, ist paradoxerweise sowohl gemeinsamer Bezugspunkt als auch trennendes Element, das bestehende Unterschiede bisweilen noch verstärkt.

Eine dynamische Entwicklung wirft immer auch Fragen nach den zukünftigen Herausforderungen auf. Dies ist auch in der Genferseeregion der Fall, wo es mitten im Aufschwung zahlreiche Probleme zu lösen gibt; beim Bevölkerungswachstum, im Wohnungsmarkt, bei der Wasserversorgung, dem Landschaftsschutz, der Verkehrsinfrastruktur und dem Umweltschutz.

Für die erfolgreiche Bewältigung der Zukunft brauchen die regionalen Entscheidungsträger Dreierlei:

  • Eine gemeinsame Vision von einer polyzentrischen Entwicklung der Region als Spiegel ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt.
  • Nach Aufgabe wechselnde Koalitionen zwischen den regionalen Entscheidungsträgern wie etwa Politikern, Ökonomen, Soziologen, Ingenieuren, Architekten, Geographen und Stadtplanern. Ihre Verantwortung ist es, in einer gemeinsamen mittel- und langfristigen Planung die zukünftigen Bedürfnisse und Engpässe auszumachen sowie Prioritäten zu setzen.
  • Schliesslich braucht die Metropole eine Gestaltungsfähigkeit, was über kurz oder lang auf eine metropolitane Governance hinausläuft. Die oben erwähnte gemeinsame Vision und situationsbedingte Koalitionen sind zwar notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzungen. Die Wissenschaft ist nun gefordert, praktikable  Koordinations- und Steuerungsmechanismen für die Region zu entwickeln und damit politische und administrative Grenzen zu überwinden.

Ein derartiger Ansatz könnte das Potenzial der gesamten Region freilegen und ein kohärentes und ausgewogenes Gebietskonzept hervorbringen, sodass die Genferseeregion zum Vorbild für andere Metropolen der Zukunft würde.