Die mediale Wahrnehmung der Schweiz im Ausland hat im letzten Jahr gelitten. Besonders über Finanz- und Steuerfragen wurde in ausländischen Medien oft und vorwiegend negativ berichtet. Zu den dominierenden Themen zählten die Schweizer Grossbanken, das Bankgeheimnis, die Steuerabkommen (mit Deutschland, Österreich, Grossbritannien und Italien) sowie vor allem auch der Steuerstandort Schweiz im Allgemeinen. Dies wirft die Frage auf, ob sich solche negativen Schlagzeilen unvorteilhaft auf die Schweiz als Investitionsstandort auswirken.

Generell zeigt sich, dass nationale Ereignisse, die im Ausland ein mehrheitlich negatives mediales Echo auslösten, in der Vergangenheit keinen erkennbaren Einfluss auf das Wachstum der ausländischen Direktinvestitionen in der Schweiz hatten.  Unabhängig davon, was die Schweiz an internationalen Schlagzeilen produzierte, sind die ausländischen Direktinvestitionen – gemessen am ausländischen Kapitalbestand in der Schweiz – stetig und sogar exponentiell gewachsen (vgl. Abbildung).

So hat sich weder die Fichenaffäre noch die Diskussion um die nachrichtenlosen Vermögen auf das Wachstum der ausländischen Direktinvestitionen ausgewirkt. Auch der von vielen als eigenbrötlerisch wahrgenommene Entscheid, nicht dem EWR beizutreten oder die als fremdenfeindlich kommentierte Annahme der Minarett-Initiative wurden von den ausländischen Investoren nicht bestraft. Über die Zeit betrachtet konnten nicht einmal Finanz- und Wirtschaftskrisen den Zufluss von ausländischem Kapital in die Schweiz bremsen, sondern sie haben eher die «Safe-haven»-Funktion der Schweiz verstärkt. Die einzig klar erkennbare Nullwachstums-Runde in den letzten 15 Jahren ist auf ein Ereignis in einem anderen Land zurückzuführen: 2004 erliessen die USA eine Steueramnestie für multinationale Unternehmen, die zu einem Kapitalabfluss aus der Schweiz führte.

Allzu sehr vermögen diese Erkenntnisse nicht zu erstaunen, haben doch Investoren eine grundlegend andere Optik als ausländische Journalisten, Bürger oder Politiker, die sich – künstlich oder echt – über Ereignisse in der Schweiz ereifern. Aus dieser Perspektive ist wohl auch die Einschätzung zulässig,  dass sich die blosse mediale Diskussion über den hiesigen Finanz- und Steuerstandort nicht dramatisch auf die ausländischen Direktinvestitionen auswirken wird.

Nicht auszuschliessen ist zwar, dass sich die steuerlichen Rahmenbedingungen für ausländische Investoren längerfristig etwas verschlechtern könnten, sollte die Schweiz infolge des zunehmenden internationalen Drucks Konzessionen machen. Unabhängig von der Frage, wie politisch auf internationale Druckversuche reagiert werden soll, wären solche Konzessionen aber kaum das Ende des Investitionsstandortes Schweiz, hat dieser doch viel mehr zu bieten als nur ein attraktives Steuerregime: Bestnoten im  Bereich der «Governance», ein stabiles politisches und ökonomisches Umfeld, flexible und funktionierende Arbeitsmärkte, herausragende Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung.

Man kann sich in diesem Zusammenhang sogar fragen, ob die über kantonale Steuerprivilegien für einzelne Unternehmen angelockten Investitionen nicht nur Segen bringen, sondern mitunter auch zu unerwünschten Verdrängungseffekten (etwa auf dem Arbeitsmarkt) führen. Jedenfalls sind solche lokalen wettbewerbsverzerrenden Subventionen weder sinnvoll noch nötig, denn der föderale Steuerwettbewerb setzt genug Anreize, um im internationalen Steuerwettbewerb zu bestehen.