Das Schweizer Gesundheitssystem ist durch den Föderalismus geprägt und damit – so der oft gehörte Vorwurf – teuer und unnötig komplex. Aber: Der Föderalismus erlaubt auch unterschiedliche Ansätze, die Kantone können so ihre Rolle als innovative Entwicklungslabore für gesamtschweizerische Lösungen wahrnehmen. Wie können Unternehmen die Vorteile des Föderalismus am besten nutzen?

Drei Unternehmer berichten im Video von ihren Erfahrungen mit der föderalistischen Gesundheitspolitik. Entgegen der Erwartung schätzen sie die in den Kantonen unterschiedlichen Ansätze. Denn es erlaubt, zuerst verschiedene Geschäftsmodelle auszuprobieren und von Best Practices zu lernen. Föderalismus bringt Stabilität ins System und gleicht Extreme aus, es muss auch kein Allheilmittel gefunden werden, das für die gesamte Schweiz Wirkung entfaltet. Es können spezifische Lösungen für spezifische Probleme entwickelt und getestet werden.


Gut starten

Für ein Unternehmen spielt auch im Gesundheitswesen die adressierbare Marktgrösse eine wichtige Rolle. In der Standortgunst stehen deshalb Kantone, die über entsprechend viele Einwohner verfügen sowie ein regulatorisches Umfeld bieten, die innovative Dienstleistungen zulassen. Ein Beispiel sind die vor einiger Zeit nun in vielen Kantonen eingeführten HMO-Modelle, die zu Beginn nur im Kanton Zürich wirklich umsetzbar waren.

Über den Tellerrand schauen

Für Unternehmen im Gesundheitswesen ist es ratsam, aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit auch Kantone im Auge zu behalten, in denen man selbst nicht tätig ist. Denn der föderalistische Ansatz bringt immer wieder Lösungen hervor, die das Potenzial haben, schweizweit relevant zu werden. Der Föderalismus im Gesundheitswesen liefert die Basis für Wirtschaftsakteure, zu entwickeln, testen, vergleichen und lernen. Dies ist die Grundlage für Innovationen.

Organisch wachsen?

Die Expansionsstrategie muss auch gut überlegt werden. Wachstum in bisherigen Standortkantonen ist oft einfacher, weil die Bewilligungsprozesse im stark regulierten Gesundheitssektor bereits bekannt sind. Ein organisches Wachstum über die Kantonsgrenzen hinweg – «auf der grünen Wiese» – ermöglicht, von Anfang an die Unternehmenskultur, sowie Prozesse und Systeme an allen Standorten gleich aufzubauen. Dabei muss aber ggf. die Herausforderung einer anderen Landessprache angenommen werden. Bei Geschäftsmodellen die hohe Investitionen bedingen und von kantonalen Kontingenten abhängen (z.B. Bettenkapazitäten in Spitälern oder Pflegeheimen), bringt der Weg über eine Akquisition in der Regel weniger Unwägbarkeiten.

Fazit

Viele Wege führen nach Rom bzw. Bern, es gibt keine einheitliche Lösung. Der Föderalismus bietet aber die Chance, verschiedene Wege auszuprobieren. «Ich denke, ich würde allen Gesundheitsakteuren raten – auch denen, die nicht unbedingt in die ganze Schweiz expandieren wollen –, sich anzuschauen, was in der übrigen Schweiz passiert. Es würde den kantonalen Gesundheitsakteuren guttun, wenn sie ihr Pilgerstock mitnehmen und eine Pilgerreise durch die Schweiz unternehmen würden, um zu sehen, was anderswo funktioniert. Denn es gibt viele Dinge, die gut funktionieren», sagt Antoine Hubert, Gründer Swiss Medical Network, Genolier.