Die Produktionskosten neuer erneuerbarer Energien sind in den vergangenen Jahren gesunken. Doch in Deutschland, wo die Förderung besonders grosszügig ist, spüren die Stromverbraucher nichts davon. Im Gegenteil: Die Ausgaben steigen deutlich stärker als die Ökostromproduktion. Die Schweiz sollte aus diesem negativen Anschauungsbeispiel ihre Lehren ziehen.

EEG Stromkosten in DeutschlandDass die Kosten neuer erneuerbarer Energien sinken, ist zweifellos eine gute Nachricht. Technologien wie die Onshore-Windkraft produzieren heute nahe an den Marktpreisen, so dass sie kaum mehr auf Subventionen angewiesen sind. Das deutsche Fraunhofer-Institut berechnete vor kurzem die durchschnittlichen Produktionskosten von Onshore-Windanlagen an guten Standorten auf 0,06 bis 0,08 Euro/kWh. Zum Vergleich: An der EEX lagen 2011 die Strompreise für Grund- und Spitzenlast bei rund 0,05 bzw. 0,06 Euro/kWh.

Deutlich weiter entfernt von der Marktfähigkeit ist dagegen die Photovoltaik (PV), trotz beeindruckender Kostendegression. Laut Angaben des Fraunhofer-Institut betragen aktuell die durchschnittlichen Stromgestehungskosten von PV-Kleinanlagen in Süddeutschland 0,14 bis 0,16 Euro/kWh – 2004 lagen sie noch zwischen 0,5 und 0,6 Euro/kWh. Die deutliche Kostensenkung ist sowohl auf sinkende Weltmarktpreise für Silizium als auch auf Lernkurven- und Skaleneffekte bei der Herstellung von PV-Anlagen zurückzuführen. Daneben haben Überkapazitäten in der PV-Produktion die Preise weiter fallen lassen. Vieles deutet darauf hin, dass weitere Kostensenkungen möglich sind, wenn auch mit deutlich abnehmender Dynamik. Doch von diesen guten Nachrichten spüren deutsche Stromverbraucher bisher wenig. Im Gegenteil: Die Förderung erneuerbarer Energien im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – dem Pendant zum schweizerischen Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) – wird seit ihrer Einführung kontinuierlich teurer.

2001 betrug die EEG-Umlage (Zuschlag auf dem Endverbraucherpreis) noch 0,0023 Euro/kWh, 2011 bereits 0,036 Euro/kWh und 2013 soll sie auf 0,053 Euro/kWh ansteigen. Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt wird dann jährlich gegen 180 Euro für die Förderung erneuerbarer Energien berappen müssen – etwa 60 Euro mehr als 2012.

Überproportional steigende statt sinkende Kosten

Eine Erklärung für die steigende Belastung durch EEG-Abgaben ist das anhaltende Wachstum der subventionierten Ökostromproduktion. Diese betrug 2001 noch rund 18 TWh, 2011 waren es bereits über 91 TWh – das entspricht etwa 150% der schweizerischen Gesamtproduktion. Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Wachstum der EEG-Subventionen (EEG-Differenzkosten) über jenem der Ökostromproduktion lag (vgl. Grafik). Vor dem Hintergrund der oben dargestellten Kostendegression ist diese Entwicklung besonders überraschend. Eine Erklärung dafür liegt in der Tatsache, dass die Festlegung der Abgeltung der tatsächlichen Kostenentwicklung hinterherhinkt. Besonders relevant ist dieser Effekt bei der Photovoltaik, wo die Kostendegression dynamisch und schwer zu prognostizieren ist. So lagen die Vergütungen für kleinere PV-Anlagen bis Anfang 2012 noch zwischen 0,18 und 0,24 EUR/kWh, ab Oktober 2012 bei rund 0.13 bis 0,19 EUR/kWh. Die oben erwähnte Kostenschätzung des Fraunhofer-Instituts wurde übrigens im Mai 2012 publiziert. Regelmässig führt eine Ankündigung von Vergütungsanpassungen zu einem Installationsboom – schliesslich möchte man mit günstiger Technologie noch von höheren Abgeltungen profitieren. Es kommt daher zu Mitnahmeeffekten – gerne nimmt man die Subvention, auch wenn sie nicht in dieser Höhe nötig ist.

Doch die der Kostendegression nachhinkende Subventionsbürokratie vermag nicht zu erklären, weshalb die notwendigen Subventionen stärker steigen als die vom EEG geförderte Strommenge. Die wachsende Differenz zwischen den beiden Grössen deutet auch auf eine insgesamt sinkende Effizienz hin. Dies kann einerseits auf den wachsenden Anteil teurerer Technologien im EEG-Portfolio zurückgeführt werden. Zwischen 2004 und 2011 stieg der Anteil des relativ kostspieligen Solarstroms von 1,5% auf 21%. Dadurch nehmen die durchschnittlichen Förderkosten zu – trotz sinkender Vergütung für die Photovoltaik und anderer Technologien. Anderseits nahmen die Förderkosten wegen der sinkenden Strompreise im Grosshandel zu. 2008 lagen im Marktgebiet Deutschland-Österreich die Preise für Grundlast noch bei etwa 0,07 Euro/kWh. Damit stiegen auch die nötigen Subventionen an, denn diese berechnen sich als Differenz zwischen Produktionskosten und Marktpreis – weshalb sie als Differenzkosten bezeichnet werden. Die sinkenden Strommarktpreise ihrerseits sind nicht nur eine Folge des wirtschaftlichen Abschwungs in Europa sowie relativ tiefer Gaspreise und Kraftwerksüberkapazitäten, sondern auch ein Resultat der wachsenden Förderung erneuerbarer Energien. Da sie bevorzugt ins Netz eingespiesen werden und ihre Produktion meist keine Grenzkosten verursacht (v.a. Wind und Photovoltaik), verdrängen sie fossile Kraftwerke aus dem Markt. Dieser sog. Merit-Order-Effekt führt zu Preissenkungen an der Strombörse. Der Effekt wird für das Jahr 2011 auf etwa 0,009 Euro/kWh geschätzt (2009 0,006 Euro/kWh).

Energieintensive Unternehmen profitieren sogar von der Energiewende

Die dargestellten Entwicklungen vermögen jedoch nicht zu erklären, weshalb die EEG-Umlage stärker wächst als die EEG-Differenzkosten. Dies bedeutet, dass die Abgaben der Verbraucher stärker steigen als die gesamten – ohnehin überproportional wachsenden – EEG-Subventionen. Ein zentraler Grund dafür ist die wachsende Entlastung von stromintensiven Unternehmen. Damit sie im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligt werden, zahlen sie keine oder geringere EEG-Umlagen. Dieser sogenannte privilegierte Letztverbrauch betraf 2004 noch Unternehmen mit einem Gesamtverbrauch von 37 TWh, bis 2011 stieg dieser Wert auf über 85 TWh. Weil der Subventionstopf eine gegebene bzw. wachsende Grösse darstellt, müssen die verbleibenden nicht privilegierten Letztverbraucher einen überproportional steigenden Beitrag berappen. Stromintensive Unternehmen profitieren daher nicht nur von der EEG-Befreiung, sondern auch vom oben dargestellten Merit-Order-Effekt. Weil viele energieintensive Unternehmen zudem von den ebenfalls wachsenden Netzgebühren befreit sind, ist für sie die deutsche Energiewende unter dem Strich ein lohnendes Geschäft.

Trotz scheinbar immer günstiger werdenden erneuerbaren Energien zahlen daher die Verbraucher in Deutschland immer mehr EEG-Zuschlag. Dieser Trend wird vorderhand aus zwei Gründen anhalten.

  • Erstens werden die nötigen Subventionen vorderhand weiter stärker steigen als die geförderte Strommenge – nicht zuletzt wegen der wachsenden teuren Offshore-Windproduktion.
  • Zweitens lässt sich die politische Akzeptanz des EEG nur mit wachsender Abgabenbefreiung aufrechterhalten. Sollte sich die gesamtwirtschaftliche Situation weiter anspannen, werden weitere Unternehmen eine EEG-Entlastung für sich reklamieren. Daneben wird jetzt schon eine Befreiung von einkommensschwachen Kleinverbrauchern diskutiert.