Die derzeitige Kältewelle in Europa lässt nicht nur die Strompreise in die Höhe schnellen, sondern führt auch zu unüblichen Handelsflüssen: Importeure werden zu Exporteuren und umgekehrt. Schweizer Pumpspeicherwerke profitieren von der Situation.Die Kältewelle stellt den Stromhandel in Europa auf den Kopf

Die rekordtiefen Temperaturen in Europa führen zu Spitzenpreisen an der Strombörse. Am 6. Februar stiegen die Preise im Spothandel der EEX für das Marktgebiet Schweiz kurzzeitig auf über 160 €/MWh, am 7. Februar sogar auf 300 €/MWh. Zum Vergleich: 2011 wurde Spitzenlast (Stromlieferung zwischen 8 und 20 Uhr) im Durchschnitt bei etwa 65 €/MWh gehandelt, Grundlast (Stromlieferung während 24 Stunden) bei rund 56 €/MWh. Die Gründe für die besonders hohen Preise liegen bei der gestiegenen Energienachfrage, dem Einsatz zusätzlicher fossiler Kraftwerke, die wegen ihrer geringeren Effizienz höhere Betriebskosten aufweisen sowie den höheren Preisen für Primärenergie (v. a. Gas) und CO2- Emissionszertifikate.

Unübliche Handelsflüsse

Noch viel interessanter als die hohen Preise alleine ist die Veränderung der damit verbundenen Stromhandelsflüsse. Dies zeigt beispielhaft die Situation am Mittag des 6. Februar (vgl. Grafik). Aufgrund der besonders hohen Nachfrage im Zusammenhang mit den verbreiteten Elektroheizungen musste Frankreich netto Strom importieren. Italien, das üblicherweise Stromimporteur ist, wurde kurzfristig zum Exporteur. Tatsächlich verfügt das Land über einen ausreichend grossen Kraftwerkspark, der aber in normalen Situationen relativ teuer produziert und im internationalen Handel wenig konkurrenzfähig ist. Ähnliches gilt für Deutschland, wo die Abschaltung von Kernkraftwerken im vergangenen Jahr zu steigenden Importen geführt hatte. Am Mittag des 6. Februar exportierte Deutschland netto Strom: Aufgrund der hohen Preise wurde der Betrieb von älteren fossilen Kraftwerken rentabel. Die Schweiz dagegen musste Strom importieren, was zu dieser Jahreszeit jedoch nicht unüblich ist.

Vorteile für die Pumpspeicherwerke

Mit der Kältewelle nahm nicht nur das absolute Preisniveau zu. Daneben resultierten besonders deutliche Preisdifferenzen im Tagesverlauf. So wurde in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar Strom bei etwa 70 €/MWh gehandelt, in den Morgenstunden stieg der Preis auf 300 €/ MWh. Für die Pumpspeicherwerke, deren Geschäftsmodell auf der Ausnützung von Preisunterschieden basiert, ist eine solche Situation besonders lukrativ. Sie pumpen das Wasser während der günstigen Nachtstunden in die Staubecken und produzieren damit während der Preisspitzen am Tag Strom.

Die Situation illustriert die steigende Relevanz des internationalen Handels sowie der Übertragungsnetze. Gerade in solchen Extremsituationen sind die Länder auf einen effizienten Stromaustausch angewiesen. Die Schweiz ist alles andere als eine Strominsel im europäischen Markt.