Wie matchentscheidend die Offenheit für die Schweizer Volkswirtschaft ist, betonte auch Avenir Suisse-Senior Fellow Patrick Dümmler, der über die druckfrische Avenir-Suisse-Strategie «Handel statt Heimatschutz» informierte. Um es kurz zu fassen: Es sind – bei Weitem – nicht nur Uhren, Schokolade und Finanzdienstleistungen, mit denen die Schweiz ihr Geld im Ausland verdient. So nebenbei hat sich unser Land in den letzten Jahren auch zum weltgrössten Kaffeeexporteur gemausert. 70 Rappen von jedem Franken werden mittlerweile im Ausland verdient. Nicht nur die global tätigen Multis, auch zwei Drittel der KMU sind  heute grenzüberschreitend tätig.

Diese Erfolge wurden unter anderem durch die Freihandelsabkommen unterstützt, die seit Beginn der 1990er- Jahre (nach der EWR-Abstimmung) eingegangen wurden. In dieser Zeit hat sich das jährliche Volumen des Aussenhandels von 181 Mrd. auf 369 Mrd. Fr. gesteigert.  Wenn die beiden wichtigsten Handelspartner EU und USA, die 72,7% des Volumens ausmachen, nun über TTIP verhandeln, muss auch die Schweiz ihre Optionen prüfen, will sie ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren.

Die aussenwirtschaftlichen Prioritäten für die Schweiz hat Avenir Suisse in einer Drei-Säulen-Strategie formuliert: Der Ausbau der Beziehungen mit der EU («Bilaterale Plus»), der Abschluss weiterer Freihandelsabkommen mit Ländern ausserhalb der EU und die Öffnung der inlandorientierten Branchen (vor allem der Landwirtschaft).

Das Gewicht des Aussenhandels für die (geografisch) kleine Schweiz wurde von keinem der Referenten hinterfragt. An der Podiumsdiskussion, bei der Walter Kielholz (VR-Präsident Swiss Re), Peter Brabeck-Letmathe (VR-Präsident Nestlé) und Christian Casal (Direktor McKinsey Schweiz) die Runde bereicherten, ging es vielmehr um die Tatsache, dass der Freihandel so stark in der öffentlichen Kritik steht. In vielen Ländern sei der Freihandel quasi zum Sündenbock der Globalisierung mutiert. Grosse Abkommen wie TTIP und  CETA verursachten verständlicherweise Ängste und diese seien ernst zu nehmen – zum Beispiel, indem man seriös über ihre wohlstandsgenerierende Bedeutung informiere: «Wir müssen wieder mehr über den Handel reden». Einer der Diskussionsteilnehmer plädierte ausserdem für eine Sozialpolitik, die weniger nach dem Giesskannenprinzip funktioniert, sondern versucht, auch die kurzfristigen «Globalisierungsverlierer» mitzunehmen – etwa durch gute Umschulungsmöglichkeiten.

Avenir-Suisse-Herbsttagung-2016

Patrik Schellenbauer, Walter Kielholz, Christian Casal, Peter Brabeck-Letmathe, Jean-Luc Demarty, Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch und Peter Grünenfelder (v.l.n.r.).

Vor allem in der Schweiz mit ihrer halb-direkten Demokratie ist diese Diskussion wichtig – unter den Jüngeren genauso wie unter den Älteren. «Alle müssen wissen, dass sie was zu verlieren haben, wenn die aussenwirtschaftliche Offenheit nicht mehr möglich ist». Genau das ist die Motivation von Avenir Suisse: Eine Diskussion über die Bedeutung des Aussenhandels anstossen, die auf Fakten statt auf Emotionen beruht.