Die familienexterne Kinderbetreuung hat in der Politik aller Gross- und Mittelstädte einen hohen Stellenwert. Neben Form und Kosten der Unterstützung spielt vor allem die Angebotsdichte eine Rolle in der Bewertung des Erfolgs dieser Politik. Ein genügend grosses Angebot stellt nicht nur sicher, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ohne grössere (Transaktions-) Kosten sichergestellt ist, es dient auch als Puffer gegen – besonders lokale – Schwankungen in der Nachfrage.

Um eine hohe Angebotsdichte zu erreichen, muss eine Stadt nicht selber Kindertagesstätten betreiben. Im Gegenteil: dies ist eine ineffiziente und mit Interessenskonflikten beladene Vorgehensweise. Viel eher muss sich die Politik darauf konzentrieren, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich für den Betrieb von Betreuungsangeboten wenig Hürden ergeben und sich dieser darüber hinaus finanziell auszahlt.

Kinderkrippen sind nicht in allen Schweizer Städten gleich im Fokus. (Tanaphong Toochinda, Unsplash)

Das Städtemonitoring

Die Angebotsdichte wird hier gemessen an der Anzahl Betreuungsplätze in Kindertagesstätten pro 100 Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren. Auch wenn der Einfluss der Politik auf diese Zahl in erster Linie indirekter Natur ist und auch sein soll, so taugt sie doch als ungefährer Indikator dafür, wie sehr die städtische Politik einem umfangreichen Angebot an Kleinkinderbetreuung zugutekommt. Eine Unterscheidung zwischen privaten und städtischen, bzw. subventionierten und nicht-subventionierten Kinderkrippen wird nicht gemacht.

Ranking
 
Betreuungsplätze
pro 100 Kinder im Alter
von 0–4 Jahren
Quelle: Eigene Berechnungen, BFS, Angaben der Städte
1.
Basel
48,2
2.
Zürich
43,0
3.
Lausanne
39,1
4.
Genf
31,7
5.
Bern
27,5
6.
Biel
22,9
7.
Luzern
21,5
8.
Winterthur
20,9
9.
Lugano
15,6
10.
St. Gallen
14,6

Mittelwert
28,5

Ergebnisse

Die durchschnittliche Angebotsdichte von Kita-Plätzen ist in den untersuchten Städten zufriedenstellend, die Varianz ist allerdings hoch. Die Dichte in den Spitzenreiter-Städten Basel und Zürich liegt um etwa Faktor 3 höher als jene der Schlusslichter. In St. Gallen und Lugano gibt es nur ca. 15 Krippenplätze pro 100 Vorschulkinder. Zwar sind in den Städten des unteren Teils der Rangliste keine aussergewöhnlichen Klagen über ein fehlendes Betreuungsangebot zu vernehmen, doch dieser Unterschied bleibt bemerkenswert.

Nicht von der Hand zu weisen ist auch eine Korrelation der Kita-Platzdichte mit der Stadtgrösse. Dies kann – neben den politischen Präferenzen – einerseits darauf hinweisen, dass der Betrieb von Kindertagesstätten in grösseren Gebietskörperschaften einfacher ist (z.B. weil die nötigen Räumlichkeiten rascher gefunden werden), andererseits könnte aber auch schlicht die Nachfrage grösser sein (z.B. aufgrund der soziodemografisch internationaler zusammengesetzten Bevölkerung).

Trotz des zufriedenstellenden Angebots sind seitens der Städte vermehrt Anstrengungen zur Belebung des Krippenmarktes angezeigt. Eine Ausbreitung des Angebots (nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ) wird einerseits durch hohe und teilweise unsinnige regulatorische Anforderungen und anderseits durch potenzielle Ungleichbehandlungen zwischen städtischen und privaten Krippen verhindert (vgl. Box).

Ungleiche Spiesse bei der Betreuung über Nacht

Für weltweit arbeitende Eltern können die arbeitsrechtlichen Bedingungen von Kindertagesstätten rasch zum Stolperstein werden, denn diesen ist es prinzipiell verboten, Betreuungen über Nacht anzubieten. Der Grund liegt im Nachtarbeitsverbot für die Angestellten gemäss Arbeitsgesetz. Juristisch gesehen können nur in Ausnahmefällen Bewilligungen für einzelne Nächte erteilt werden. Auch wenn die Städte nichts für die Bundesgesetzgebung können, sind deren eigene Krippen im Vorteil: Mitarbeiter in städtischen Tagesstätten gelten als Staatsangestellte und unterliegen daher nicht dem Arbeitsgesetz.