Der Umgang der öffentlichen Verwaltung mit Baugesuchen ist ein wichtiger Faktor für die Investitionsfreundlichkeit einer Gebietskörperschaft. Nicht umsonst beinhaltet der «Ease of Doing Business»-Index der Weltbank ein Teilranking zum Thema «Dealing with Construction Permits». Darin werden verschiedene Aspekte des Baubewilligungsverfahrens untersucht, nämlich die Anzahl administrativer Schritte, die Kosten des gesamten Bewilligungsprozesses (relativ zum Bauvolumen), die Zeit und der Umfang der Qualitätskontrolle.

Die Weltbank ermittelt ihre Werte nicht anhand realer Messungen, sondern anhand eines homogenen Modellprojekts, ausgeführt von einer modellhaften Baufirma. Die verwendeten Daten basieren auf Expertenschätzungen. Eine weitere Schwäche des Weltbank-Rankings: Es führt für die Schweiz nur einen Wert auf und ignoriert damit die föderalen Unterschiede. Viele dieser Faktoren werden in der Schweiz durch die Kantone bestimmt, die Kompetenz für die Prüfung von Baugesuchen zur Erteilung der Baubewilligungen liegt bei den Gemeinden. Diese haben somit einen entscheidenden Einfluss auf die Zeit, die zwischen Einreichung eines Baugesuches und Erteilung der Baubewilligung verstreicht.

Hier soll deshalb anhand realer Zahlen verglichen werden, wie viel Zeit in den grossen Schweizer Städten zwischen Einreichung eines Baugesuchs und Erteilung der Baubewilligung im Durchschnitt verstreicht.

Das Städtemonitoring

Die Daten basieren auf einer Vollerhebung der Docu Media GmbH und wurden von Fahrländer Partner Raumplanung verarbeitet und Avenir Suisse zur Verfügung gestellt. Weil die jährlichen Durchschnittswerte erstaunlicherweise von Jahr zu Jahr grosse Schwankungen aufweisen, basiert die Bewertung auf dem Mittelwert der Jahre 2013–2017. Das Jahr bezieht sich jeweils auf den Zeitpunkt der Erteilung der Baubewilligung – wie weit das Baugesuch zurückliegt, spielt also keine Rolle.

Ranking

 
Mittlere Dauer
bis zur Erteilung
der Baubewilligung
(2013-2017)
Punkte
Quelle: Fahrländer Partner auf Basis Baublatt
St. Gallen
98
9
Winterthur
138
6
Biel
138
6
Basel
139
6
Bern
143
6
Lugano
153
5
Luzern
172
4
Zürich
177
4
Lausanne
202
2
Genf
208
n.a.
Mittelwert
157

Ergebnisse

Durchschnittlich verstrichen 2013–2017 in den untersuchten Städten zwischen der Einreichung eines Baugesuchs und dem Erteilen der Baubewilligung 157 Tage. Das ist ein Anstieg um 30 Tage gegenüber dem Durchschnittswert der vorhergehenden Fünfjahresperiode (2008–2012). Damit wird das Bild des Doing-Business-Index der Weltbank bestätigt, bei dem die Schweiz im Teilranking «Dealing with Construction Permits» ebenfalls deutlich an Boden verloren hat.

Klar die kürzeste Baubewilligungsdauer hat mit 98 Tagen die Stadt St. Gallen (77 Tage in der Vorperiode). Auch Winterthur, Biel und Basel schneiden zufriedenstellend ab. Bern folgt knapp dahinter und ist die einzige Stadt, die die Baubewilligungsdauer gegenüber der Vorperiode senken konnte. Damit konnte sich die Bundeshauptstadt vom zweitletzten auf den fünften Platz verbessern und liegt damit einen Platz vor Lugano. Ziemlich lange dauern die Bewilligungen in Luzern und Zürich, am längsten mit durchschnittlich über 200 Tagen in Lausanne und in Genf.

Ein differenzierteres Bild erlaubt ein Blick auf die Kategorien «Arbeiten» und «Wohnen», wo jeweils noch zwischen Renovation und Neubau unterschieden werden kann. Gesamthaft sind die Bewilligungszeiten von Wohngebäuden und Büros recht ähnlich: Bei Neubauten verstreichen 207 bzw. 220 Tage, Bewilligungen von Renovationen sind weniger zeitintensiv.

Zwischen den Städten gibt es jedoch unterschiedliche Muster: In Lausanne dauern die Bewilligungsverfahren für Neubauten nicht viel länger als für Renovationen (hauptsächlich, weil auch die Renovationen ziemlich lange dauern), in Basel ist der Unterschied hingegen sehr gross: Für die Bewilligung eines Büroneubaus verstreichen dort im Schnitt 300 Tage, womit die Stadt den Höchstwert aufweist.

Den absolut höchsten Wert in einer Kategorie verzeichnet Genf (wo die Kompetenz zur Erteilung von Baubewilligungen allerdings auf Kantons- nicht auf Gemeindeebene liegt): Die Bewilligung für einen Wohnneubau dauerte dort im Durchschnitt 536 Tage – was wohl auch damit zu tun hat, dass Neubauten im eng gefassten und dicht bebauten Gebiet der Stadt Genf kaum noch vorkommen.

Weiterführende Informationen vgl. «20 Jahre Schweizer Stadtpolitik».