Mit 7‘500 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört Singapur zu den Flecken Erde mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Trotzdem wünschen sich Regierung und Behörden eine weitere Zuwanderung, weil nach ihrer Auffassung nur so der Lebensstandard erhalten werden kann.

Bevölkerungsdichte: In Singapur tummeln sich 7500 Menschen auf einem Quadratkilometer. | Bild: Fotolia

In Singapur tummeln sich 7500 Menschen auf einem Quadratkilometer. | Bild: Fotolia

Zum Anfang ein paar Zahlen: In Singapur wohnen auf einer Fläche von 720 km² 5,4 Millionen Einwohner. Das sind 7‘500 Einwohner pro km². Die Bevölkerungsdichte ist in der Schweiz mit 196 Einwohnern pro km² um einiges geringer. Wenn im Vorfeld der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative von «Dichtestress» die Rede war, kann man nur zu einem Schluss kommen: Wir «leiden» auf hohem Niveau.

Angesichts solcher Zahlen wird es nicht verwundern, dass es auch in Singapur eine Kontroverse über die Zuwanderung gibt. Das Bevölkerungswachstum war in den letzten beiden Jahrzehnten sehr hoch (+77% seit 1990), und der Anteil der «Non-Residents» ist von 10% bzw. 311‘000 Menschen im Jahr 1990 auf zurzeit 29% oder 1,55 Millionen gestiegen. Der Unmut der Bevölkerung über das Tempo dieser Entwicklung hat der Regierung bei den letzten Parlamentswahlen einen relativ grossen Stimmverlust beschert. Seither versucht sie, den Anteil der niedrig qualifizierten Immigranten zu begrenzen.

Eine Herausforderung auf vielen Ebenen

Trotzdem herrscht wohl weiterhin ein gesellschaftlicher Konsens: Singapur wird auch in nächster Zukunft ein Einwanderungsland bleiben. Die staatlichen Behörden lassen keine Gelegenheit aus zu betonen, dass der sagenhafte wirtschaftliche Aufschwung des Stadtstaats ohne Migration nicht möglich gewesen wäre. (Das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf betrug 2013 69‘050 $, noch 1990 waren es nur 17‘960 $ gewesen.). Da die Singapurer Frauen im Schnitt nur 1,29 Kinder gebären, käme es ohne Zuwanderung mit der Zeit zu einer Schrumpfung der Bevölkerung.

In Singapur wird wenig dem Zufall überlassen, auch nicht die Integration. Die Bemühungen der Behörden setzen hierzu auf vielen Ebenen an, zuvorderst in den Wohnquartieren und Schulen, in denen auf Durchmischung geachtet wird, wobei weniger Anpassung als vielmehr ein harmonisches Nebeneinander der unterschiedlichen Kulturen das Ziel ist.

Die Fragen anders stellen

Vielleicht ist es auch ein wenig Ausdruck der Schweizer Mentalität, wenn in den Medien statt von den positiven Seiten der Zuwanderung vor allem von den Problemen der Dichte die Rede ist, von vollen Zügen und teuren Wohnungen. Wichtige Fragen gehen dabei unter: Wie könnte die Integration der Immigranten verbessert werden? Gibt es Möglichkeiten, die Verkehrsinfrastrukturen sinnvoller auszulasten und das Pendeln zu reduzieren? Warum schaffen wir es nicht, in den Städten mehr Hochhäuser zu bauen? Welche Antworten hat die Architektur auf die zunehmende Dichte? Und: Wären wir wirklich bereit, die negativen Folgen von weniger Zuwanderung zu tragen, etwa in Form von Personalmangel im Gesundheitssektor oder einem kleineren Wirtschaftswachstum?

Singapur zeigt zumindest eines: Dass ein Land auch eine um ein Vielfaches höhere Bevölkerungsdichte als die Schweiz bewältigen kann und dass man mit klugen Massnahmen der Verkehrs- und Siedlungspolitik viele Nachteile einer hohen Dichte vermeiden oder bewältigen kann.

Dieser Artikel entstand im Nachgang der von Avenir Suisse und dem Singapurer Think-Tank «Institute of Policy Studies (IPS)» in Rüschlikon organisierten Konferenz «Singapore and Switzerland: Learning from each other».

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