Die Einwohnerzahl der Schweiz wird laut Bundesamt für Statistik bis 2023 auf 9 Millionen ansteigen. Aber wie schafft man es, dass sich die zusätzlichen Einwohner nicht über das ganze Mittelland verstreuen, sondern in leistungsfähigen, attraktiven Städten konzentrieren? Um das Bevölkerungswachstum zu bewältigen, braucht es zum Beispiel Instrumente, die den interkantonalen Abtausch von Bauzonen oder wenigstens eine Optimierung der Besiedlung innerhalb der Kantone ermöglichen.Der folgende Beitrag stammt aus der Web-Publikation «CH 1995 2035 – Globale Trends, nationale Herausforderungen, liberale Lösungen»

Seit 1995 ist die Einwohnerzahl der Schweiz um 18% von 7,0 auf 8,3 Mio. gestiegen. Die 9-Millionen-Schwelle soll gemäss den aktuellen Prognosen des BFS Ende 2023 erreicht werden und 2035 soll die Zahl schon gegen 10 Mio. tendieren.

Zwar ist dieses Wachstum zum grossen Teil die Folge von Zuwanderung, die generell schwierig zu prognostizieren ist, die lange unterschätzt wurde, und die – als Reaktion darauf – im aktuellen BFS-Szenario nun wohl eher überschätzt wird. Trotzdem ist es ratsam, sich mit der Zukunft einer 10- oder gar 11-Millionen-Schweiz zu beschäftigen.

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Das Potenzial städtischer Verdichtung

Wer angesichts solcher Zahlen die unweigerliche Verbauung letzter Grünräume im Mittelland und die Gefährdung der alpinen Freiräume befürchtet, dem helfe folgendes Gedankenspiel: Setzt man New York an die Stelle von Zürich, London an die Stelle von Basel, Berlin an die Stelle von Bern, Paris an die Stelle von Genf und Barcelona an die Stelle von Lugano, würde die Schweiz alleine mit diesen attraktiven Metropolen der westlichen Welt auf 24 Mio. Einwohner kommen. In den restlichen Gebieten hätte es damit enorm viel Platz für die Pflege traditioneller, von «Dichtestress» verschonter Lebensstile, für reichlich Agrarland, für Naherholungsgebiete und für dünn besiedelte Berglandschaften.

Es stellt sich also nicht die Frage, ob die Schweiz 10 oder 11 Mio. Einwohner verträgt, sondern wie man diese höhere Dichte organisiert. Oder etwas konkreter: Wie man es schafft, dass sich die zusätzlichen Einwohner nicht in Einfamilienhäuschen über das ganze Mittelland verstreuen und zur Arbeit in die Städte pendeln, sondern dass sie sich in leistungsfähigen, attraktiven Städten konzentrieren. Zugegebenermassen bringt die Schweiz nicht die optimalen Grundvoraussetzungen dafür mit: Der kleinteilige Föderalismus (26 Kantone) und fast 2300 Gemeinden mit hoher Gemeindeautonomie erschweren eine kohärente Planung in funktionalen Räumen. Gemeinde- und Kantonsgrenzen mögen im Leben der vielen Pendler keine grosse Rolle mehr spielen, in Fragen der Raum- und Siedlungsplanung tun sie es aber durchaus noch. Folgen waren ein wachsender Flächenverbrauch und eine starke Zersiedlung.

Bauzonenabtausch und Finanzausgleich

Nötig wären z.B. Instrumente, die den interkantonalen Abtausch von Bauzonen ermöglichen. Sollte sich das als unrealistisch erweisen, ist wenigstens eine Optimierung der Besiedlung innerhalb der Kantone anzustreben – beispielsweise durch Massnahmen zur Mobilisierung vorhandener, günstig gelegener Bauzonen und durch eine griffige Mehrwertabschöpfung bei Einzonungen, mit der die Entschädigung für die Auszonung ungünstig gelegener Baulandparzellen finanziert werden kann. Dem Ziel der Siedlungskonzentration und -verdichtung steht auch das Regulierungsgefälle von Stadt zu Land entgegen. Der Bau auf der grünen Wiese ist immer noch mit deutlich geringeren administrativen und politischen Hürden verbunden als der Bau im urbanen Raum, wo die Interessen diverser (vermeintlicher) Stakeholder befriedigt werden müssen, und zum Teil rigide Bauvorschriften sowie weitreichender Denkmalschutz die Bautätigkeit lähmen.

Für eine Siedlungskonzentration nicht nur auf der Mikro-, sondern auch auf der Makroebene müssten die Kantone beim interkommunalen Finanzausgleich ebenfalls neue Wege beschreiten. Ungünstig gelegene Gemeinden versuchen heute oft über die Abgabe von günstigem Bauland im Standortwettbewerb zu bestehen. Das ist aus übergeordneter Sicht kaum sinnvoll. Das Eingeständnis fehlenden Wachstumspotenzials und eine Entschädigung dafür von den besser gelegenen Gemeinden (z.B. durch Erlöse aus der dortigen Einzonung von Bauland) könnten helfen.

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