Schon ist der erste Monat im neuen Jahr um, und einige von uns haben ihre Neujahrsvorsätze bereits über Bord geworfen. Doch nicht nur im Privaten bleiben gute Vorsätze oft unerfüllt, auch in der Politik ist dies beobachtbar.

Seit 2006 verfolgt die Schweiz das ambitionierte Ziel, dass mindestens 95% aller 25-Jährigen über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen. Dazu zählen Lehrabschlüsse oder allgemeinbildende Abschlüsse – also das Gymnasium oder die Fachmittelschule. Die Idee dahinter: Wer über einen Abschluss verfügt, hat beste Chancen auf ein erfülltes Arbeitsleben.

In wie vielen Jahren wurde dieses Ziel erreicht? In keinem einzigen. Im Jahr 2023 lag die Abschlussquote bei 90,2%. Sechs Jahre davor war sie mit 91,3% sogar noch höher. Das angestrebte Ziel rückt also weiter weg, statt dass man sich ihm nähert. Zwischen den Kantonen zeigen sich dabei grosse Unterschiede: Mit Obwalden und Nidwalden gibt es Kantone, die das bildungspolitische Ziel tatsächlich erreichen. Graubünden und Uri verfehlen es mit rund 94% nur knapp.

Am anderen Ende der Skala finden sich Genf (84,7%), Waadt (86,5%) und Basel-Stadt (87,5%). Auch Freiburg schneidet mit 88,4% mässig ab und rangiert auf dem viertletzten Platz: Fast jeder achte junge Erwachsene verfügt somit weder über einen berufsbildenden noch einen allgemeinbildenden Abschluss.

Auffällig ist: Kantone, in denen ein grösserer Anteil der Jugendlichen eine Lehre macht, weisen im Schnitt höhere Abschlussquoten auf, während Kantone mit einem höheren Gymnasialanteil tiefere Abschlussquoten haben. Dieser Zusammenhang bleibt bestehen, selbst wenn man berücksichtigt, dass gewisse Kantone städtisch, andere ländlich geprägt sind und sie sich auch bezüglich Zuwanderung unterscheiden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie kommen wir dem 95%-Ziel näher? Die Berufsbildung könnte also einen Schlüssel darstellen, um die Abschlussquote zu erhöhen. Entscheidend ist, dass Jugendliche und ihre Eltern über die Optionen nach der obligatorischen Schulzeit informiert sind. Nur so finden sie eine Ausbildung, die wirklich zu ihnen passt. Der Wert der Lehre wird jedoch oft unterschätzt: Immer mehr Eltern wünschen sich für ihren Nachwuchs den akademischen Weg übers Gymnasium, besonders wenn sie nicht in der Schweiz aufgewachsen sind und somit nichts anderes kennen. Die zahlreichen Möglichkeiten sollten Familien daher besser vermittelt werden – auch die Lohnaussichten verschiedener Pfade. Neben traditionellen Beratungsangeboten bieten neuere Ansätze wie Schnupperlehren für Eltern interessante Chancen.

Für alle Bildungswege zentral sind letzten Endes aber solide Grundkompetenzen. Laut Pisa-Studien haben sich diese bei Kindern in den letzten Jahren verschlechtert. Statt den Lehrplan zu überladen, sollte der Fokus in frühen Jahren klar auf Lesen, Schreiben und Rechnen liegen. Ergänzend können Gemeinden mit gezielter frühkindlicher Förderung dafür sorgen, dass Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulstart mitbringen.

Die 95% sind ein wichtiges Ziel. Ein nachobligatorischer Bildungsabschluss ist meist Voraussetzung dafür, dass den jungen Erwachsenen der Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingt. Und dieser wiederum ist Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Umso bedenklicher ist es, wenn dieses Ziel nur ein guter Vorsatz bleibt und Jahr für Jahr verpasst wird. Dank unseres Föderalismus wissen wir, dass gewisse Kantone es besser machen als andere – die Schlusslichter hätten also durchaus Vorbilder, um hier aufzuholen.

Dieser Beitrag ist in den «Freiburger Nachrichten» vom 10. Februar erschienen.

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