Im letzten Beitrag unserer Blogserie zur Migration stand die Zusammensetzung der heutigen Wohnbevölkerung im Zentrum – es ging also um die Bestandesgrösse. In diesem Beitrag geht es nun um die Flussgrösse. Der Blick liegt also auf der Dynamik der Migration und darauf, wer in den vergangenen Jahren in die Schweiz gekommen ist.

Für 2025 stehen die definitiven Zahlen noch aus. Doch die Nettozuwanderung ausländischer Staatsangehöriger (d.h. der Saldo aus Ein- und Auswanderungen in die ständige Wohnbevölkerung) dürfte sich wiederum auf über 70’000 Personen belaufen. Dieser Wert liegt im Mittel der letzten zwei Jahrzehnte, jedoch tiefer als in den unmittelbar vorangegangenen Jahren. 2024 betrug die Nettozuwanderung rund 90’000 Personen.

Ein Höchstwert erreichte die Nettozuwanderung 2023 mit 148’000 Personen. Diese hohe Zahl erklärt sich mit dem Krieg in der Ukraine: Rund ein Drittel der Nettozuwanderung 2023 entfiel auf Ukrainerinnen und Ukrainer, die im Jahr 2022 zugewandert waren und nach einem Jahr Aufenthalt statistisch neu zur ständigen Wohnbevölkerung zählten.

Seit der Jahrtausendwende belief sich die Nettozuwanderung von Ausländern auf durchschnittlich 68’000 Personen pro Jahr. Kumuliert entspricht dies bis Ende 2024 insgesamt rund 1,7 Millionen Personen. Drei Fünftel (60%) der Nettozuwanderung betreffen Personen aus dem EU/Efta-Raum. Betrachtet man nur den Zeitraum seit 2007 – dem Jahr, in dem die volle Personenfreizügigkeit mit der EU in Kraft trat –, so betrug der jährliche Wanderungssaldo durchschnittlich 77’000 Personen, davon 64% aus dem EU/Efta-Raum.

Während die Zuwanderung aus europäischen Ländern den Konjunkturverlauf widerspiegelt, ist dies bei der Drittstaatenzuwanderung kaum der Fall. So wird der Arbeitsmarktzugang für Drittstaatsangehörige restriktiv gehandhabt; der Familiennachzug spielt entsprechend eine deutlich wichtigere Rolle.

Rund ein Drittel der Nettozuwanderung seit 2000 geht auf das Konto der drei grossen Nachbarländer der Schweiz. Insbesondere die Zahl der Einwanderer aus Deutschland hat sich seit Ende der 1990er Jahre stark erhöht. Im Jahr 2008 machten sie mit einem Wanderungssaldo von 34’000 Personen fast die Hälfte der gesamten Zuwanderung aus EU-Ländern aus. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang stellen sie inzwischen wieder die grösste Gruppe unter den Neuzuwanderern.

Die Zusammensetzung der Zuwanderung verändert sich laufend und spiegelt dabei oft die wirtschaftliche Lage in den Herkunftsländern wider. Im Vergleich zu den Nachbarländern und Südeuropa spielten die Länder Osteuropas lange Zeit eine deutlich geringere Rolle. Mit der schrittweisen Öffnung des Arbeitsmarktes im Zuge der EU-Osterweiterung nahm die Zuwanderung aus diesen Ländern (insbesondere aus Polen, Rumänien und Ungarn) zwar zu, stabilisierte sich jedoch relativ rasch.

Die hohe Zuwanderung der letzten Jahre hat die Wohnbevölkerung der Schweiz stark anwachsen lassen. Seit der Jahrtausendwende ist sie um 1,9 Millionen Personen auf über 9 Millionen Ende 2024 gestiegen. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum betrug 0,94% beziehungsweise 75’500 Personen. Rund vier Fünftel der Bevölkerungszunahme sind auf den internationalen Wanderungssaldo zurückzuführen; ein Fünftel trägt der Geburtenüberschuss (d.h. Geburten minus Todesfälle) bei.

Schweizerinnen und Schweizer weisen einen negativen Wanderungssaldo auf: Jedes Jahr wandern mehr Schweizer aus als zurückkehren. Zudem sterben inzwischen mehr Personen mit Schweizer Pass als geboren werden. Das gesamte Bevölkerungswachstum entfällt somit auf die ausländische Bevölkerung. Dass die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer dennoch über die Jahre leicht steigt, liegt einzig an Einbürgerungen.

Die anhaltend hohen Migrationszahlen sind gerade in absoluten Werten historisch aussergewöhnlich. Zwar gab es auch früher Phasen starker Zuwanderung – insbesondere zu Beginn der 1960er Jahre mit einem Höchstwert von 101’000 Personen im Jahr 1961. Doch damals folgten auf Spitzenwerte regelmässig Perioden mit deutlich tieferen Wanderungssaldi. Diese Volatilität ist heute geringer; das hohe Niveau hat sich verstetigt.

Betrachtet man das gesamte Bevölkerungswachstum, relativieren sich die heutigen Zahlen etwas. Das liegt am Geburtenüberschuss, der über lange Zeit der entscheidende Faktor war. So verzeichnete die Schweiz 1961 zusätzlich zur Zuwanderung einen Geburtenüberschuss von 48’000 Personen, was dieses zum Rekordjahr des schweizerischen Bevölkerungswachstums machte. Während früher also zwei Motoren – Geburten und Migration – das Wachstum antrieben, ist der Wanderungssaldo heute fast die alleinige Triebkraft.

Blogserie zur Migration

Migration bewegt die Schweiz: politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Kaum ein anderes Thema wird so intensiv und emotional diskutiert. Mit der Blogserie zur Migration beleuchtet Avenir Suisse die vielfältigen Facetten der Zuwanderung in die Schweiz. Wir liefern Zahlen und Fakten, um das Einwanderungsland Schweiz besser zu verstehen.