«Escher Treppe», Ausschnitt aus einem Werk von M.C. Escher

Gegenüber Mitmenschen, die eher der linksalternativen, kreativen Szene zuzuordnen sind, steht man als Mitarbeiter von Avenir Suisse manchmal vor der Herausforderung, dieses Engagement zu begründen. Denn allzu schnell werden die üblichen Verdächtigungen geäussert: Avenir Suisse sei eine Lobbying-Organisation der Grossfirmen, eine Vertreterin des Grosskapitals, und trüge damit nicht zur Lösung, sondern zur Schaffung von «economic and social issues» bei.

Die Fronten sind dann jeweils schnell geklärt: «Gut» sei es, die Natur schützen, erneuerbare Energien fördern und die Einkommensungleichheit reduzieren zu wollen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch schnell, dass diese Beurteilung an einer gewissen Naivität krankt. Denn die blosse Absicht, gut zu handeln, vermag wohl dem Akteur ein warmes Bauchgefühl zu bescheren.

Um damit aber auch tatsächlich «economic and social issues» zu lösen, ist ein profundes Wissen über die komplexen ökonomischen, politischen und sozialen Gesetzmässigkeiten nötig, das vielen «Gutmenschen» oft abgeht. Die Folgen sind politische Vorstösse, die zuweilen schizophrene Züge annehmen:

  1. Energiepolitik: Nach Fukushima wird allenthalben der Atomausstieg gefordert. Unabhängig von der Tatsache, dass die Atomkraft realistisch gesehen auf absehbare Zeit die einzige CO2-neutrale Energiequelle ist, um unseren Strombedarf zu sichern, fordern Grüne und Linke den raschen Ausbau von erneuerbaren Energiequellen. Gleichzeitig versuchen aber genau jene politischen Gruppierungen – in besonderem Ausmass die Umweltverbände – diverse konkrete Projekte zum Ausbau eben dieser erneuerbaren Energien aus Natur- und Landschaftsschutzgründen durch Einsprachen zu verhindern. Man denke unter anderem an Bewilligungen für Staumauererhöhungen, Windkraftparks oder Kleinwasserkraftwerke.
  2. Altersvorsorge: Von linker Seite wurde bis anhin jeder Versuch, das Rentenalter zu erhöhen oder den BVG-Umwandlungssatz zu senken, erfolgreich mit dem Argument, man dürfe keinen Sozialabbau zulassen, bekämpft. Dass das jetzige System aufgrund des demographischen Wandels (Zuwanderung hin oder her) bald nicht mehr finanzierbar sein wird, ist jedoch eine mathematische Tatsache und keine politische Frage. Indem die längst nötigen Anpassungen verhindert werden, wird die Altersvorsorge erst wirklich gefährdet.
  3. Sozialpolitik: Die Einführung eines Grundeinkommens steht im offiziellen Parteiprogramm der SP. Sie feiert es als Emanzipation des Menschen von der Arbeit und als soziale Revolution. Ganz abgesehen von den Finanzierungsfragen und der damit verbundenen Anreizproblematik stellt sich auch folgende Frage:  Was genau soll an einem System «sozial» sein, das jeder in der Schweiz wohnhaften Person unabhängig davon, ob sie jemals in ihrem Leben auch nur einen Finger dafür rührt, monatlich 2500 Franken auszahlt, während weltweit 1 Milliarde Menschen Hunger leidet?
  4. Landschaftsschutz: Die schöne Landschaft ist ein zweifellos wichtiges Kapital der Schweiz, das durch die zunehmende Zersiedelung stark gefährdet ist. Ein wirkungsvoller Landschaftsschutz setzt jedoch nicht nur auf dem Land an, sondern auch in der Stadt, in der dichteres Bauen als Korrelat zu Siedlungsbegrenzungen auf dem Land erleichtert werden sollte. Ausgerechnet von linker und grüner Seite werden jedoch jegliche Versuche bekämpft, das Regulierungsgefälle zwischen Stadt und Land zu verringern.
  5. Wohnungsmarktpolitik: Der Bau von günstigen, dem Markt entzogenen Genossenschaftswohnungen wird derzeit besonders von linker Seite vorangetrieben. Damit soll die soziale Durchmischung gewährleistet werden. Dass dadurch das auf dem freien Markt verbleibende Immobilienangebot noch knapper und die entsprechenden Wohnungen tendenziell noch teurer werden, geht gerne vergessen. Bei den Genossenschaftswohnungen wird der eigentliche Markt  zudem nicht selten durch einen «Beziehungsmarkt» ersetzt. Ob dieser zu gerechteren Ergebnissen führt, darf bezweifelt werden.

Diese fünf Beispiele zeigen, dass «Gutes wollen» oft nicht ausreicht, um Gutes zu bewirken. Die Absicht an sich mag zwar durchaus ehrenwert sein. Kritisch – um nicht zu sagen: unehrlich – wird sie jedoch, wenn sie zum blossen Selbstzweck degeneriert.

Avenir Suisse wird deshalb weiterhin eine differenzierte Sichtweise der Dinge vertreten, die sich vor Patentrezepten hütet und zuweilen vielleicht unpopulär erscheint. Auch wenn deshalb vermutlich auch in Zukunft da und dort der Vorwurf laut werden wird, man stehe auf der falschen Seite.