Abb.1: Auf den Nationalstrassen und im Personenverkehr auf der Schiene hat sich die Mobilität von den zugrundeliegenden demographischen und wirtschaftlichen Wachstumstrends entkoppelt. Quelle: BfS, ASTRA

Staus und überfüllte Züge werden in der öffentlichen Debatte häufig mit der Zuwanderung in Verbindung gebracht. Sicherlich trägt auch die stete Bevölkerungszunahme zum Verkehrswachstum bei, aber eine genaue Betrachtung zeigt, dass sich die Mobilität von den zugrundeliegenden demographischen und wirtschaftlichen Wachstumstrends entkoppelt hat. Seit 1970 nahmen die mit dem Auto gefahrenen Kilometer in der Schweiz um 50% pro Kopf zu. Der Pendleranteil unter den Erwerbstätigen verdoppelte sich auf 60%. Wir fahren immer öfter und immer weiter.

Zwei Bereiche, in denen das Mobilitätswachstum in den letzten 20 Jahren besonders ausgeprägt war, sind die Fahrleistung auf den Nationalstrassen und der Personenverkehr auf der Schiene: Während von 1990-2011 die Bevölkerung um einen Fünftel (18%) und die Wirtschaftsleistung um einen Drittel (35%) wuchs, stiegen die Personenkilometer auf der Schiene um zwei Drittel (66%) und die auf Nationalstrassen gefahrenen Kilometer verdoppelten sich sogar (118%, s. Abb. 1).

Die Fahrleistung auf den Nationalstrassen wächst seit über 20 Jahren deutlich schneller als Bevölkerung und Bruttoinlandprodukt (BIP). Der Personenverkehr auf der Schiene hingegen stagnierte zunächst in den 1990er Jahren, seit der Jahrtausendwende zeigt aber auch diese Kurve steil nach oben.

Abb.2: In der letzten Dekade ist der Personenverkehr auf der Schiene noch rapider gewachsen als die Fahrleistung auf den Nationalstrassen. Quelle: BfS, ASTRA

Deutlich sichtbar wird die Angleichung der Wachstumstrends auf Strasse und Schiene, mit dem Basisjahr 2000 (siehe Abb.2). Während 2000-2011 Bevölkerung und Wirtschaftsleistung um 10%, bzw. 21% wuchsen,  stieg die Fahrleistung auf den Nationalstrassen doppelt so schnell (um 41%) und die auf der Schiene geleisteten Personenkilometer zweieinhalb mal so schnell (54%). In der letzten Dekade ist der Personenverkehr auf der Schiene also noch rapider gewachsen als die ohnehin schon stark zunehmende Fahrleistung auf den Nationalstrassen.

Es gibt allerdings auch Verkehrssegmente, in denen das Wachstum verhaltener war. Die Fahrleistung auf Kantons- und Gemeindestrassen wuchs in den letzten zwanzig Jahren nur geringfügig und das Gleiche gilt für den Güterverkehr auf der Schiene. Die Überlastung der Verkehrssysteme und der milliardenschwere Investitionsbedarf, der sich daraus ergibt, betreffen also vor allem den Verkehr auf den Nationalstrassen und den Personenverkehr auf der Schiene. Gerade in diesen Bereichen gilt es in den nächsten Jahren verkehrspolitische Strategien zu entwickeln, um das Verkehrssystem zu entlasten. An diesem Prozess wird sich Avenir Suisse aktiv beteiligen.