Noch steht es in den Sternen, ob und wann «selbstreflektierende» Roboter die Seiten der Science-Fiction-Romane verlassen und den Schweizer Arbeitsmarkt erobern. Dennoch schwirren bereits Pläne, diese neue «Arbeitsform» mit einer zusätzlichen Steuer zu belasten, herum. Auch das EU-Parlament hat sich im Frühjahr 2017 mit der Robotersteuer befassen müssen (und diese abgelehnt). Wie aber ist die Idee einer Robotersteuer ökonomisch zu beurteilen?

Am Schluss bezahlen immer Menschen

Nehmen wir einmal an, dass Roboter (mit oder ohne Bewusstsein) keinen Lohn für ihre Arbeit erhielten. Nicht sie müssten die Steuern entrichten, sondern deren Eigentümer – genauso, wie auch Hunde nicht selbst für die Hundesteuer aufkommen. Diese neue Abgabe würde also die Kapitalerträge belasten. Ist der Eigentümer eine natürliche Person, würden zusätzliche Einkommens- und Sozialversicherungsbeiträge fällig; im Falle eines Unternehmens käme die neue Steuerlast zur Gewinnsteuer und zur Einkommenssteuer auf die Dividenden hinzu. Womöglich würden diese Eigentümer die Abgabe teilweise auf die Kunden und die Mitarbeitenden überwälzen, wie dies bei der heutigen Unternehmensgewinnsteuer der Fall ist.

Es gibt wenig Evidenz für die breite Substitution von menschlicher Arbeit durch Roboter. Im Gegenteil schafft technischer Fortschritt oft erst neue Arbeitsplätze.

Es gibt wenig Evidenz für die breite Substitution von menschlicher Arbeit durch Roboter. Im Gegenteil schafft technischer Fortschritt oft erst neue Arbeitsplätze. (Fotolia)

Gibt es trotzdem triftige Gründe, Roboterkapital stärker zu besteuern als andere Formen von Kapital wie Liegenschaften, Fabriken, Software oder weniger intelligente Maschinen? Die Befürworter der Steuer möchten idealerweise jene Roboter stärker besteuern, die viele Arbeitsplätze vernichten. Damit ist aber nicht viel gesagt: Man hätte in den 1950er Jahren eine leere Metallbox kaum für ein arbeitvernichtendes Gerät gehalten. Doch dank Containern konnte bald darauf der Arbeitsumfang von 15 Hafenarbeitern durch eine Person bewältigt werden. Treiber des Wandels sind zudem oft nicht ein bestimmter Typ von Hardware, sondern Geschäftsmodelle, die auf ganzen technologischen Ökosystemen aufbauen. Die «Sharing economy» zum Beispiel erzielt Produktivitätsgewinne mit nur bescheidenen neuen Investitionen. Sie nutzt die bestehende Infrastruktur auf eine effizientere Art. Und wie liesse sich der spezifische Beitrag des Roboters zum Mehrwert des Unternehmens bestimmen?

Roboter schaffen unterm Strich mehr Arbeit

Grundsätzlich mangelt es aber an Evidenz für die These der grossen Substitution von Menschen durch Maschinen. Dank technischem Fortschritt wurde die Arbeit effektiver, was die Löhne steigen liess. Insgesamt ging aber die Nachfrage nach Arbeit nicht zurück. Das ist auch der wichtigste Grund, warum viele Staaten die technologische Entwicklung eher fördern als besteuern, sei es mit Subventionen für die Grundlagenforschung oder, wie es in der Schweiz mit der Steuervorlage 17 geplant ist, mit steuerlichen Anreizen für die F&E-Ausgaben.

Dass der technologische Fortschritt Arbeit effektiver macht, spricht gar für eine Reduktion der Kapitalsteuern. Die Besteuerung der Kapitalerträge vermindert den Anreiz, Kapital zu bilden und in neue Technologien wie die Robotik zu investieren. Wegen der durch Steuern geringeren Kapitalbildung werden weniger Kapitalerträge generiert, ergo wird auch weniger reinvestiert. Ein Zinseszinseffekt entfällt, und die Kapitalsteuer bremst weiteres Wachstum. Genau genommen müsste (auch aus Sicht der Arbeitnehmenden) jede Form der Besteuerung von Kapitaleinkommen abgelehnt werden, da diese das Produktivitäts- und Lohnwachstum bremst. Das ist ein starkes Argument nicht nur gegen hohe Unternehmensgewinnsteuern, sondern – erst recht – gegen die Einführung einer lotterigen Robotersteuer.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in der Publikation: «Wenn die Roboter kommen»