Dieser Blog beruht auf alten Daten des Avenir-Suisse-Freiheitsindexes. Werte und Aussagen können daher minimal von der aktuellen Ausgabe des Avenir-Suisse-Freiheitsindex abweichen.

Der Avenir-Suisse-Freiheitsindex vergleicht seit 2007 die freiheitliche Prägung von Gesetzen und Institutionen der Kantone. Eine separate Analyse der ökonomischen und zivilen Sub-Indikatoren zeigt, dass auch hier der Föderalismus spielt. In der Tendenz gewichten die Westschweizer Kantone die zivilen Freiheiten höher, während in der Deutschschweiz vor allem die wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen hochgehalten werden.

Der Föderalismus geniesst als Organisationsprinzip in der Schweiz grosse Sympathien. Die Kantone (und Gemeinden) wollen den Herausforderungen mit Massnahmen begegnen, die auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sind. So erstaunt es nicht, dass die Ausrichtung der Gesetze und Regeln am Begriff der Freiheitlichkeit in den Kantonen ganz unterschiedlich gehandhabt wird. Sichtbar macht dies der Avenir-Suisse-Freiheitsindex, der die zivilen und ökonomischen Freiheiten in den Kantonen anhand von 21 Kriterien misst und so einen direkten Vergleich der Kantone in Bezug auf die Akzeptanz und Ausprägung freiheitlicher Prinzipien zulässt (vgl. interaktive Grafik).

Der Mix macht’s

Der Avenir-Suisse-Freiheitsindex wird seit fünf Jahren vom Kanton Aargau angeführt. Grund dafür ist, dass im Aargau ein ausgewogener Mix ökonomischer und ziviler Freiheiten anzutreffen ist, denn in beiden Teil-Indikatoren liegt nicht der Aargau an erster Stelle. Die ökonomischen Freiheiten waren 2013 in Schwyz am ausgeprägtesten. Dank sehr freiheitlichen Rahmenbedingungen im zivilen Bereich schafft es der Kanton auf den zweiten Gesamtrang. Der Jura hat hingegen die freiheitlichsten zivilen Rahmenbedingungen. Da er bei den ökonomischen Freiheiten den letzten Platz belegt, reicht es jedoch nur für den achten Gesamtrang. Viel ausgeglichener, dafür auch auf deutlich tieferem Niveau, präsentieren sich beim gesamthaft letztplatzierten Genf zivile und ökonomische (Un-)Freiheiten.

Röstigraben in Sachen Freiheitlichkeit

Sieht man von den «Ausreissern» am oberen und unteren Rand des Rankings ab und betrachtet die Kantone, die sich im Mittelfeld platzieren, so zeigt die interaktive Grafik einen gewissen «Röstigraben» bei der freiheitlichen Ausrichtung der Kantone. Während die überwiegende Zahl der Deutschschweizer Kantone den ökonomischen Freiheiten einen höheren Stellenwert einräumt, zeigt sich die Westschweiz weniger marktnah, ist dafür aber in zivilen Fragen progressiver als viele der Kantone «outre Sarine». Der Gesamtindex bildet diese unterschiedliche Priorisierung der Freiheit nicht eins zu eins ab, so platzieren sich Obwalden und Neuenburg auf den Plätzen 24 und 25 obschon sie bei den ökonomischen (OW) bzw. zivilen (NE) Freiheiten zur besseren Hälfte der Kantone gehören. Auch wenn es wichtig ist, dass dank dem Föderalismus der unterschiedlichen kantonalen Gewichtung ziviler und ökonomischer Freiheiten Rechnung getragen wird, ist aus liberaler Sicht dennoch ein grösstmögliches Mass aller Freiheiten in allen Bereichen anzustreben.