Die Schweiz zählt zu den weltweit führenden Innovationsstandorten. An Hochschulen wie den ETHs entstehen jährlich Dutzende neuer Firmen, und das Startup-Ökosystem wächst. Doch bei der Finanzierung stossen Jungunternehmen teilweise auf Probleme. Politiker aus diversen Parteien fordern deshalb, der Staat solle als Risikokapitalgeber auftreten.

Ein entwickelter Risikokapitalmarkt ist wichtig für die Schweiz. Er fördert die Gründung innovativer Firmen und trägt so zur Erneuerungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Hochlohnlandes bei. Drei Gründe sprechen aber gegen ein staatliches Eingreifen:

  • Vielversprechende Entwicklung: Der Schweizer Risikokapitalmarkt ist jung. Drei Viertel der aktiven Fonds existieren seit weniger als zehn Jahren. Die Marktreife nimmt jedoch stetig zu: 2025 flossen knapp 3 Mrd. Fr. an Risikokapitalinvestitionen in Startups – sechsmal mehr als zehn Jahre zuvor. Damit liegen diese Investitionen ähnlich hoch wie in anderen europäischen Ländern mit einer lebendigen Startup-Szene.
  • Übertriebene Abwanderungssorgen: Schweizer Startups auf Kapitalsuche wandern nicht im grossen Stil ab. Gemäss neuen Schätzungen von Avenir Suisse verlegt nur rund eines von 20 Startups seinen Hauptsitz ins Ausland. Die starke Präsenz internationaler Investoren zeigt vielmehr, wie attraktiv Schweizer Startups sind. Sie erhalten dadurch Zugang zu internationalem Know-how und globalen Märkten.
  • Ernüchternde Erfahrungen in Europa: Schliesslich wird behauptet, staatlich gefördertes Risikokapital sei nötig, um Wettbewerbsnachteile gegenüber europäischen Ländern auszugleichen. Dort tritt der Staat seit rund 20 Jahren verstärkt als Risikokapitalgeber auf. Der erhoffte Innovationsschub blieb indes aus. Öffentliche Fonds schneiden oft schlechter ab als private, verdrängen Investitionen und lenken Kapital in potenziell weniger ertragreiche Bereiche.

Erfolgreiche Innovationspolitik fortsetzen

Statt den Staat zum Risikokapitalgeber zu machen, sollte er sich besser auf seine Kernkompetenz konzentrieren. So ist es zentral, dass die Wissens- und Forschungsbasis im Land stark bleibt und die Startup-Rahmenbedingungen verbessert werden.

Die Schweiz sollte deshalb erstens an den Schwerpunkten ihrer Forschungs- und Innovationspolitik festhalten. Sie sollte weiterhin vor allem in die Grundlagenforschung investieren und dabei den Fokus auf die Mint- und «Life-Science»-Bereiche legen. Viele Innovationen beruhen auf Fortschritten in diesen Disziplinen.

Zweitens sollte der Bund drei Reformen in Angriff nehmen, um die Rahmenbedingungen zu stärken:

  • Stempelsteuer abschaffen: Die Emissionsabgabe auf Eigenkapital verteuert Kapitalerhöhungen und behindert damit besonders grössere Finanzierungsrunden.
  • Startups Zugang zum globalen Talent-Pool eröffnen: Im internationalen Wettbewerb um Talente sollte die Schweiz attraktiver werden: Es braucht Startup-Visa und Vereinfachungen für hochqualifizierte Hochschulabsolventen aus Drittstaaten.
  • Arbeitsgesetz modernisieren: Der flexible Arbeitsmarkt ist zentral für den Schweizer Wohlstand. Deshalb braucht es flexiblere Arbeitszeitmodelle und eine vereinfachte Erfassung der Arbeitszeiten für eine digitale Gesellschaft.

Studienautor Lukas Schmid betont: «Für die Kommerzialisierung guter Ideen braucht es Risikokapital – aber nicht vom Staat. Wer wirklich Startups fördern will, setzt daher auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen wie etwa der Abschaffung der Stempelsteuer.»