Der Avenir-Suisse-Freiheitsindex 2016: Neue Indikatoren in neuem Kleid

Ein interaktiver Ansatz für den Vergleich ziviler und ökonomischer Freiheiten in den Schweizer Kantonen

Alljährlich erscheint der Avenir-Suisse-Freiheitsindex, der die einzelnen Kantone nach verschiedensten Freiheitskriterien vergleicht. Die neueste Ausgabe wurde gegenüber den Vorjahren mit neuen liberalen Indikatoren erweitert. Erneut kann der Kanton Aargau seine Spitzenposition behaupten, am Schluss des Rankings steht weiterhin der Kanton Genf. Neu ist auch die grafische Aufbereitung: Die interaktive Ausgestaltung erlaubt es, einen individuellen Freiheitsindex für die Kantone zusammenzustellen und direkt zu vergleichen.

Der diesjährige Avenir-Suisse-Freiheitsindex wurde einer inhaltlichen Erweiterung und einer grafischen Neugestaltung unterzogen, um den interaktiven Ansatz zu unterstreichen: Jeder und jede ist eingeladen, sich den eigenen – dem subjektiven Verständnis von Freiheit entsprechenden – Index zusammenzustellen. Wer etwa Videoüberwachung oder ein Vermummungsverbot nicht als einschränkend empfindet, schliesst die entsprechenden Indikatoren einfach von der Berechnung aus und erhält so ein personalisiertes Ranking. Wer sich vor allem durch Steuern und Abgaben in seiner Freiheit bedrängt fühlt, kann mittels Auswahl dieser Indikatoren einen auf Steuerfragen fokussierten Avenir-Suisse-Freiheitsindex erstellen.

2016_12_blog-freiheitsindex_DE_330px

Durch die Erweiterung des Indexes um acht neue Indikatoren (vgl. Box unten) fliessen im zivilen Bereich neue Aspekte wie die Rechte und Pflichten von ausländischen Einwohnern oder die öffentliche Sicherheit in die Betrachtung ein. Der ökonomische Subindex wurde überdies um Kriterien zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zur Organisation des öffentlichen Sektors in räumlicher und personeller Hinsicht und zur Regulierung des regionalen Arbeitsmarktes ergänzt.

Unangefochtener Spitzenreiter und unverändertes Schlusslicht

Auch in der diesjährigen Ausgabe des Avenir-Suisse-Freiheitsindexes wird das Ranking vom Aargau angeführt, obschon der Kanton im Vergleich zum Vorjahr Indexpunkte verliert und insgesamt noch 72 von 100 möglichen Punkten erreicht. Dass der Aargau Erster bleibt, ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass auch der Verfolger Schwyz Federn lassen musste. Werden die zivilen und ökonomischen Freiheiten einzeln betrachtet, ergibt sich ein leicht anderes Bild: Der Kanton Aargau belegt im ökonomischen und zivilen Sub-Indikator «nur» den dritten bzw. zweiten Platz. Mit Blick auf die ökonomischen Freiheiten hat der Kanton Schwyz den Aargau bereits 2011 überholt. Bei den zivilen Freiheiten führt der Kanton Jura das Ranking seit 2010 an.

Nach wie vor am Ende des Rankings findet sich der Kanton Genf. Zwar kann er mit politischen Rechten für Ausländer, kurzen Wohnsitzfristen für Einbürgerungswillige und einer tiefen Besteuerung der Zweitverdiener punkten, die übrigen neuen Indikatoren zementieren aber seinen Ruf als unfreiester Kanton der Schweiz. Gegenüber dem Zweitletzten kann der Kanton Genf keinen Boden gut machen. Diese Position wird neu vom Nachbar Waadt eingenommen, der wie viele Westschweizer Kantone bei den zivilen Indikatoren gut, im ökonomischen Bereich aber schwächer als der Schweizer Durchschnitt abschneidet.

Grosse Gewinner und klare Verlierer im Mittelfeld

Der Kanton Neuenburg ist der grosse Gewinner der Erweiterung des Avenir-Suisse-Freiheitsindex. Vom zweitletzten Platz steigt er – unter anderem aufgrund seiner Pionierrolle bei den politischen Rechten für Ausländer und einem hohen Steuerabzug für externe Kinderbetreuung – bis zum zehnten Schlussrang auf. Auch der Kanton Obwalden kann sich dank einer effizienten Bereitstellung der öffentlichen Sicherheit und einem überdurchschnittlichen Abschneiden bei allen neuen ökonomischen Indikatoren vom Tabellenende lösen und liegt neu auf Platz 13.

Klarer Verlierer ist der Kanton Basel-Landschaft, der neben dem schlechten Abschneiden bei den neuen Indikatoren auch noch eine höhere Staatsquote und krankende Kantonsfinanzen zu verkraften hat. Er steigt deshalb vom vorjährigen 7. Platz auf den 19. Rang ab. Für das Wallis – das neu auf dem 20. Platz steht – wirkt sich die Erweiterung des Index ebenfalls negativ aus. Eine starke Regulierung des regionalen Arbeitsmarktes, tiefe Steuerabzüge für die externe Kinderbetreuung und ein relativ hoher Anteil an Beschäftigten im öffentlichen Sektor kumulieren sich zu einem Verlust von sechs Plätzen.

Download-Links zu den einzelnen Kantonsauswertungen (pdf)

Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg (D) / Fribourg (F), Genève (F), Glarus, Graubünden, Jura (F), Luzern, Neuchâtel (F), Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Tessin (D), Ticino (I), Thurgau, Uri, Vaud (F), Wallis (D)Valais (F), Zug, Zürich

 

Die Avenir-Suisse-Freiheitsindex und die neuen Indikatoren

Seit Jahren nimmt die Schweiz in wichtigen internationalen Freiheitsrankings Spitzenpositionen ein. Um die Freiheit ist es in unserem Land also gut bestellt. Gemeinsam ist aber allen internationalen Indizes, dass sie dem in der Schweiz gelebten Föderalismus und den daraus resultierenden freiheitlichen Unterschieden zwischen den Kantonen kaum Rechnung tragen. Der Avenir-Suisse-Freiheitsindex will dieses Manko ausgleichen: Er bildet 29 ökonomische und zivile Indikatoren ab und erlaubt einen transparenten, direkten Vergleich der Kantone punkto Akzeptanz und Ausprägung freiheitlicher Prinzipien. Aus Gründen der Datenverfügbarkeit wird der Index jeweils mit einer Verzögerung von zwei Jahren berechnet, d.h. im Jahr 2016 wird das Rating für das Jahr 2014 publiziert. Für die Berechnung des diesjährigen Freiheitsindexes wurden acht neue – fünf ökonomische und drei zivile – Indikatoren erfasst.

Neue ökonomische Indikatoren

Die Daten für die neuen Indikatoren liegen für die diesjährigen Berechnungen erstmals vor, auf eine rückwirkende Erweiterung der Indizes der Vorjahre wurde verzichtet. Zudem wurde die Bewertung des Indikators «Freie Schulwahl» leicht angepasst, um eine Verzerrung zu verhindern. Neu wird nur noch die Gewährung kantonaler Beiträge an private Schulen positiv bewertet, nicht jedoch deren konkrete Höhe. Beide Anpassungen wurden rückwirkend bis 2007 vorgenommen, was für gewisse Kantone leichte Verschiebungen in den Rangierungen vergangener Jahre bewirkt hat.

Schlagwörter: Avenir-Suisse-Freiheitsindex, Liberalismus, Wettbewerb
Dr. Samuel Rutz spezialisiert sich als Senior Fellow auf Wettbewerbsfragen. Nach dem VWL-Studium an der Universität Zürich und mehreren Jahren als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Wirtschaftsforschung der ETH, arbeitete er bei Wettbewerbskommission, ab 2005 als Chefökonom. Im Dezember 2012 wechselte er zu Avenir Suisse.

1 Comment

  • Alex Schneider

    Für alles und jedes gibt es heute Ranglisten: Für Schulen, Standortattraktivität, Immobilienpreise, etc.. Kriterien und Gewichtung werden von den Publizisten der Rankings willkürlich festgelegt. Ein grosser Teil der Leserschaft glaubt an die Objektivität solcher Ranglisten und die Politik meint, aufgrund der beim Wahlvolk erzeugten Empörung wegen eines tiefen Ranglistenplatzes subito reagieren zu müssen. Wer die Rankings aber auf ihren Aussagegehalt etwas näher untersucht, sieht bald, wie oberflächlich solche Einstufungen sind.

Ihre Kommentar (Pflichtfeld)
Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie einen Kommentar!

Mit Absenden Ihres Kommentars akzeptieren Sie unsere Netiquette.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *