Als in den 1970er-Jahren Geldautomaten aufkamen, prophezeiten viele das Ende der Bankangestellten am Schalter. Wenn Maschinen Geld auszahlen, so die Logik, braucht es bald keine Bankschalter mehr. Doch die Geschichte verlief anders.
Zwar übernahm der Automat viele Routineaufgaben, verschwunden sind die Bankangestellten aber nicht. Im Gegenteil: Weil Filialen dank Automaten günstiger zu betreiben waren, eröffneten Banken mehr Standorte. Jede Filiale brauchte zwar weniger Personal, insgesamt aber stieg die Zahl der Filialen so stark, dass es mehr statt weniger Bankangestellte gab. Und die Mitarbeitenden machten fortan etwas anderes: weniger Bargeld zählen, mehr beraten, verkaufen und Beziehungen pflegen. Die erste Lehre lautet deshalb: Technologie ersetzt selten ganze Berufe. Häufig automatisiert sie nur einzelne Tätigkeiten. Der Rest der Arbeit bleibt bestehen, wandelt sich und wird oft wertvoller. Nicht jede Maschine verdrängt Menschen, manche machen sie produktiver.
Die Geschichte hat allerdings einen zweiten Teil. Der eigentliche Einbruch bei den Schalterjobs kam dennoch – einfach erst viel später, mit dem Smartphone. Mit Mobile Banking wurde die Filiale selbst praktisch überflüssig. Wer Überweisungen, Kontoabfragen und Geldanlagen per App erledigt, muss gar nicht mehr zur Bank. Dies führt zur zweiten Lehre: Technologie entfaltet ihre grösste Wirkung nicht dann, wenn sie in bestehende Arbeitswelten integriert wird, sondern wenn sie Strukturen aufbricht und komplett neu ordnet. Genau dort liegt die eigentliche Sprengkraft.
Solche Umbrüche brauchen Zeit und sind kaum vorhersehbar. Wenn sie kommen, können sie Berufsbilder auf den Kopf stellen. Das mag bedrohlich klingen. Doch wir neigen dazu, vor allem zu sehen, was wegfällt – und zu übersehen, was langfristig neu entsteht. Schalterangestellte mögen seltener geworden sein. Dafür braucht Mobile Banking heute App-Entwickler, UX-Designer und Kundendienstmitarbeiterinnen. Wer konnte das in den 1970er-Jahren voraussehen?
Dieser Beitrag ist am 31. März 2026 als Vorwort im Magazin «Future of Work» erschienen.
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