Über einen nationalen Innovationspark wird schon seit einiger Zeit diskutiert, ohne dass die Konturen des Konzepts klar wären. Vielmehr sind die unterschiedlichsten Vorstellungen im Umlauf. Damit die Schweiz auch in Zukunft innovativ sein kann, braucht es vor allem ein innovationsfreundliches Wirtschafts- und Steuersystem.

Campus Biotech in Genf (Foto: ©CampusBiotech/Yves Ryncki)

Der erst vor kurzem dank privater Initiative gegründete Campus Biotech in Genf (Foto: ©CampusBiotech/Yves Ryncki)

In dem kürzlich veröffentlichten Diskussionspapier «La santé de l’innovation suisse» fragt Avenir Suisse, ob ein nationaler Innovationspark noch in das bestehende schweizerische Innovationssystem passe und welcher Mehrwert im Vergleich zu den bereits bestehenden Strukturen geschaffen würde.

Welche Rolle spielen nationale Innovationsparks angesichts der wachsenden Bedeutung von «Open Innovation» überhaupt noch? Schliesslich lehrt die Erfahrung, dass nationale Innovationssysteme gewachsene Strukturen sind, die sich nicht schnell und erfolgreich verändern lassen.

Viele verschiedene Vorstellungen im Umlauf

Die in der Folge an Avenir Suisse geäusserte Kritik geht dahin (vgl. Tages-Anzeiger vom 23.12.13), dass der Think-Tank eine falsche Vorstellung von einem Innovationspark habe und somit seine Zweifel auf einem Missverständnis beruhten. In der allgemeinen Diskussion werden Begriffe wie Innovations-und Technologiepark bzw. Science Park recht locker gehandhabt. Die Grenzen sind somit fliessend. Auch in der wissenschaftlichen Diskussion ist der Begriff der Innovation inhaltlich nicht klar festgelegt.

Geht man die vorliegenden Vorstellungen und Konzepte zu einem nationalen Innovationspark durch, bietet sich eine breite Palette von Ideen an:

  • Für den Verein Swiss Innovation Park geht es dabei um «verschiedene Standorte als Plattformen für gemeinsame Forschungs- und Innovationsaktivitäten von Unternehmen und Hochschulen».
  • Für die kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren besteht er aus einer «netzartigen Struktur mit Hub- und Netzwerkstandorten». Die Hubstandorte im Umfeld der beiden ETH sollen Knotenpunkte in einem nationalen Innovationsnetzwerk bilden. Die Netzwerkstandorte sind Innovationsstandorte mit internationaler Ausstrahlung für spezifische Themen, wo Industrie und KMU zusammen mit Hochschulen Innovation und somit wirtschaftliche Wertschöpfung betreiben.
  • Für andere soll in Dübendorf – ähnlich wie es das MIT in Cambridge/Boston rund um den Kendall Square gemacht hat – ein neues, bunt gemischtes Quartier mit Hochschulen und privaten Unternehmen gebaut werden (Beat Hotz).
  • Schliesslich wird als Innovationspark einfach eine Ansammlung von Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten für internationale Firmen verstanden und, weil es im Umfeld der ETHZ zu wenig Raum gebe, mache Dübendorf Sinn.

Das ist gleichsam die Auswahlsendung an Konzepten für den nationalen Innovationspark.  Vergessen geht in diesem Zusammenhang, dass weder der Kendall Square noch das Silicon Valley staatlichen Plänen entsprungen sind.

Im globalen Innovationswettbewerb hängt die Innovationsfähigkeit von Unternehmen vielmehr davon ab, wie es ihnen gelingt, interne F+E- und Innovationsressourcen mit externen Akteuren (Kunden, Konkurrenten, Hochschulen) zu verbinden. Es geht darum, interaktive Netzwerke zu etablieren und zu pflegen mit dem Ziel, externes Wissen für das eigene Unternehmen nutzbar zu machen und/oder mit externen Partnern – oft auch ausserhalb der eigenen Industrie – zusammenzuarbeiten. Open Innovation ist somit zu einer wichtigen Strategie im Innovationsmanagement von Firmen geworden. Was ein nationaler Innovationspark diesbezüglich bringt, ist einstweilen noch völlig offen.

Auf das Wesentliche konzentrieren

In diesem Zusammenhang ist es allerdings  interessant, dass im bekannten Innovationsindikator der Deutschen Telekom, der 38 harte und weiche Daten zu einem Gesamtindikator vereinigt, Innovationsparks kaum eine Rolle spielen. Für die Schweiz, die in diesem Ranking von 1995 bis 2012 an der Spitze steht, wird die Spitzenstellung ihres Innovationssystems mit folgenden Faktoren erklärt: weltmarktorientiere Industriestruktur, exzellente und international vernetzte Wissenschaft, hohe Priorität für qualitativ gute Bildung, effiziente Arbeitsteilung Bund/Kantone, Offenheit  gegenüber ausländischen Fachkräften und ausgeprägte inernationale Vernetzung. Hingegen wird das Fehlen jeglicher steuerlicher Förderung von F+E für die zukünftige Qualität des schweizerischen Innovationsstandorts als Schwachpunkt angemerkt.

Es wäre schade, wenn die weitere Diskussion um den nationalen Innovationspark wegen der Bestimmung der einzelnen Standorte so sehr politisiert würde, dass darob die eigentlichen staatlichen Aufgaben für eine erfolgreiche, innovationsstarke Wirtschaft zu kurz kämen: eine innovationsfreundliche Wirtschafts- und Steuerpolitik, ein exzellentes Bildungs- und Wissenschaftssystem, massvolle Regulierungskosten für die Unternehmen und ein gesellschaftliches Umfeld mit einer positiven Grundhaltung gegenüber  Unternehmertum und  neuen Technologien. Erfreulich ist, dass in Genf dank privater Initiative in kürzester Zeit ein Biotech-Campus entstanden ist, der auf keinem staatlichen Plan existierte, während nun schon seit sechs Jahren über einen nationalen Innovationspark diskutiert wird.