Dr. Jürg Müller ist Direktor von Avenir Suisse und trägt die Gesamtverantwortung für die Arbeiten des Think-Tanks. Er studierte Internationale Beziehungen und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten St. Gallen und Cambridge und promovierte an der ETH Zürich. Im Anschluss war er als Wirtschaftsredaktor bei der «Neuen Zürcher Zeitung» und ab 2019 als Senior Fellow bei Avenir Suisse tätig. Jürg Müller hat diverse ökonomische Fachbeiträge verfasst und ist Lehrbeauftragter an der Universität Zürich. Unter dem kollektiven Pseudonym Jonathan McMillan hat er die beiden Bücher «Capitalism and the Market Economy» und «The End of Banking» publiziert, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden.
Schulden und Politik: Die Lehren aus der Geschichte
Podcast
Gespräch mit Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann über sein neues Buch zur deutschen Finanzkrise von 1931
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Jürg Müller
Schulden und Politik: Die Lehren aus der Geschichte
PodcastGespräch mit Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann über sein neues Buch zur deutschen Finanzkrise von 1931
Der Schweizer Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann wurde für sein Buch «1931: Debt Crises and the Rise of Hitler» aufs Höchste gelobt. Mit seiner Analyse der deutschen Finanzkrise im Jahr 1931, die verheerende internationale Auswirkungen nach sich zog, hat er offenbar einen Nerv getroffen. Das überrascht nicht, schliesslich finden wir uns neunzig Jahre später wieder in einer Phase hoher Staatschulden: Während Finanz- und Eurokrise noch kaum verdaut sind, hat die Corona-Pandemie die internationale Verschuldung innert weniger Monaten weiter anschwellen lassen.
Jürg Müller hat deshalb Tobias Straumann nach den Lehren gefragt, welche die Welt aus 1931 ziehen könne. Im lebhaften Gespräch erläutert der Wirtschaftshistoriker, weshalb kurzfristige Schulden ein grösseres Problem darstellen und wie sich Gläubiger optimal verhalten würden. Laut Straumann sind Schuldenkrisen vermeidbar, wenn man sich der Lehren aus der Geschichte bewusst ist. Als wichtigste historische Lektion erachtet er, dass internationale Abkommen flexibel gestaltet werden.
Dessen ungeachtet hält Straumann fest, dass bei der Bewältigung der Euro-Krise wieder ähnliche Fehler begangen wurden. Zwar habe die EZB hat mit ihrem expansiven Kurs auf die Staatsschuldenkrise richtig reagiert. Aber: «Mit der Geldpolitik kann man nur Zeit gewinnen». Der Patient Euro liege immer noch im Spital, er sei noch nicht lange nicht vollkommen genesen.